Der fantastische Mr. Fox

Der fantastische Mr Fox

Der Animationsfilmmarkt gehört klar Pixar und Dreamworks, wie die Einspielergebnisse unmissverständlich aufzeigen, doch zum Glück gibt es da immer wieder mal diese kreativen Köpfe und die verfilmen dann das ein oder andere Werk, das in Anbetracht des daraus entstehenden Films anscheinend schon längst einer Leinwandadaption bedurfte. Und ausgerechnet Wes Anderson kommt nun daher und legt mit Der fantastische Mr. Fox einen Stop-Motion-Animationsfilm der besonders gewitzten Art vor. Anderson, der sonst eher für seine außergewöhnlichen Familienfilme wie Die Royal Tenenbaums (2001) oder Darjeeling Limited (2007) bekannt ist, wagt dieses Mal seinen ersten Versuch in Richtung Animationsfilm und zeigt den Altmeistern, wie man sich positiv von der Masse der typischen Familienunterhaltung abhebt und dabei nicht seinen eigenen Stil verliert.

Es ist die Geschichte des titelgebenden Mr. Fox (George Clooney), seines Zeichens wortgewandter Familienvater und ehemaliger Hühnerdieb, der mit seiner Frau (Meryl Streep), seinem mürrischen Sohn Ash (Jason Schwartzman) und seinem Neffen Kristofferon (Eric Anderson) in einem zum Fuchsbau umfunktionierten Baum lebt und sich seinen Lebensunterhalt durch journalistische Tätigkeiten verdient. Das idyllische Familienleben könnte ewig Bestand haben, wären da nicht die drei Bauern Boggis, Bunce und Bean, deren Geflügelfarmen und Apfelweinbrauereien nicht weit vom Hause Fox liegen. Es dauert nicht lange, bis Mr. Fox‘ alte Leidenschaft wieder geweckt wird und so begibt er sich gemeinsam mit dem Opossum Kylie (Wally Wolodarsky) auf nächtliche Raubzüge in die nahegelegenen Hühnerzuchten. Dass diese Taten Konsequenzen in Form des Zorns der Bauern mit sich bringen, hat der gewitzt egozentrische Mr. Fox nicht bedacht. Ein lustiger, spannender, aber auch gefährlicher Kampf zwischen Mensch und Tier beginnt.

Der fantastische Mr. Fox ist ein animierter Kinderfilm mit dem unverwechselbaren Charme eines Wes Anderson, der seine Figuren einmal mehr vor Selbstfindungsprobleme stellt, die ihr Handeln maßgeblich beeinflussen. So ist Mr. Fox zwar ein Fuchs mit Familie, der es an nichts mangelt, trotzdem muss er seiner diebischen Natur und Berufung nachgeben, um die Leere in seinem Leben zu füllen. Sein launischer Sohn Ash leidet unter dem Können seines Cousins Kristofferson, der in allen Lebensbereichen ein Naturtalent zu sein scheint und läuft in einem selbstgebastelten Superheldencape herum, das alles andere als von seinen Komplexen ablenkt. Mrs. Fox schließlich ist eine großartige Künstlerin, aber von den Handlungen ihres Mannes, die das Leben ihrer gesamten Familie aufs Spiel setzen, ganz und gar nicht angetan, hatte Mr. Fox doch versprochen, nach der Geburt ihres Sohnes mit dem Hühnerdiebstahl ein für alle Mal Schluss zu machen. Aus dieser Konstellation ergeben sich so einige interfamiliäre Dialoge, die den Kampf gegen die wütenden Bauern beizeiten fast vergessen machen. Außerdem bleiben neben der Fuchsfamilie und dem Opossum Kylie alle anderen Figuren reichlich blass, was zwar in einem Kinderfilm nicht allzu schwer ins Gewicht fällt und durch den unterhaltsamen Plot ausgeglichen wird, aber gerade bei Boggis, Bunce und Bean sicher durchaus interessant gewesen wäre, hätte man ihren Charakteren mehr Tiefe verliehen.

In ästhetischer Hinsicht ist Der fantastische Mr. Fox über jeden Zweifel erhaben, denn der wunderschöne ländliche Stil ist mit derart vielen Details versehen, dass jede Einstellung zu einem kleinen Kunstwerk wird. Die fast schon klinisch anmutend glatte Optik diverser CGI-Animationsfilme mag technisch sauberer sein, unterliegt aber dem natürlichen Charme, den die handgemachten Puppen und Kulissen versprühen. Der oscarnominierte Filmscore wird vor allem vom kinderliedartigen Main Theme dominiert, das sich im Laufe des Films im Ohr des Zuschauers festsetzt und die Atmosphäre passend unterstreicht.
Wes Anderson gelingt mit seinem ersten Kinder- und Animationsfilm ein besonderes Filmerlebnis, das ebenso ältere Zuschauer anspricht, wie Kinder verzaubert; ein hübsches Stop-Motion-Abenteuer, das sich keiner entgehen lassen sollte und den Markt, der doch bisweilen zu ähnlich erscheinenden Animationsfilme erhellt.

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