Durst

Durst

Spätestens mit seiner Rachetrilogie und dem Gewinn der goldenen Palme für Oldboy (2003) erlangte Regisseur Park Chan-wook auch außerhalb Koreas eine gewisse Popularität. Nach der skurrilen Liebeskomödie I’m a Cyborg, But That’s OK (2006) erschien 2009 sein neuestes Werk. Dieses Mal dreht sich alles um Vampire. Und obwohl die Thematik Gefahr läuft, dieser Tage in Folge eines Überangebots ihren Glanz zu verlieren, ist Parks Durst alles andere als blutleer.

Der fromme Krankenhaus-Priester Sang-hyeon (Song Kang-ho) meldet sich freiwillig für ein medizinisches Experiment in Afrika. Doch die Bluttransfusion eines unbekannten Spenders lässt ihn nach seinem Ableben im Operationssaal wieder auferstehen. Nach seiner Rückkehr nach Korea wird dieses Ereignis von fanatischen Gläubigen wie ein Wunder gefeiert und Sang-hyeon als Heiliger verehrt. Mehr denn je zuvor vermittelt sein Glaube wieder Hoffnung unter den Patienten des Krankenhauses. Die Sache hat allerdings einen Haken: Das unbekannte Blut weckte in Sang-hyeon den unsättbaren Durst nach Blut. Da er als Priester das Töten von Menschen selbstverständlich nicht mit sich selbst und Gott vereinbaren kann, lebt er zunächst von Blutreserven und abgezapftem Blut von Komapatienten.
Als er der von ihrer Adoptivfamilie schlecht behandelten Tae-ju (Kim Ok-bin) begegnet und sich in ihm Gefühle regen, wird sein Leben endgültig aus der Bahn geworfen. Die Situation droht zu eskalieren, als Tae-ju von Sang-hyeon ebenfalls zum Vampir gemacht wird. Sie legt ihre Menschlichkeit und somit auch ihre moralischen Skrupel nahezu vollständig ab.

Park fotografiert sein Vampirdrama in ästhetisch präzisen Bildern. Beinahe jede Einstellung ist kompositorisch perfekt und gleicht einem kleinen Gemälde. Musikalisch zeichnet sich Cho Young-wook erneut für den Soundtrack verantwortlich und übertrifft sich ein weiteres Mal selbst. Stimmungsvolle Kompositionen und ein leicht folkloristischer Einschlag unterstreichen die Atmosphäre passend. Handwerklich bleiben keine Fragen offen. Park Chan-wook beweist hier einmal mehr sein enormes Talent.

Ähnlich wie bereits der schwedische So finster die Nacht (Tomas Alfredson, 2008) offenbart auch Durst eine neue Perspektive auf ein fast schon abgeschmacktes Motiv. Park stellt Themen wie moralischen Zwiespalt, Rache und den Verlust den Menschlichkeit in den Vordergrund. Auch inzestuöse Anlagen werden angeschnitten. Man könnte vorwerfen, Park wüsste nicht, welche Richtung er denn nun einschlagen solle, tatsächlich aber ist diese Vielfalt dramaturgisch vorteilhaft für Film, selbst wenn manche Dinge nur an der Oberfläche angekratzt werden. Durst ist ein ruhiges Drama, das mit einigen mitreißenden Szenen aufwarten kann und keine einzige Sekunde langweilt.

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