Kontroll

Kontroll

Historisch betrachtet gehört Ungarn nicht gerade zu den Speerspitzen des Films, obwohl das Medium dort eine hohe kulturelle Bedeutung hat. Etwa dreißig Filme werden jährlich in Ungarn produziert. Dass Masse nicht alles ist, sondern Qualität wichtig ist, um sich auch international durchzusetzen, beweist Nimród Antal mit seinem düsteren Genremix Kontroll, der auf zahlreichen Festivals von Kritikern gefeiert wurde.

Dunkle Schächte, verlassene Bahnsteige, endlose Rolltreppen und steriles Neonlicht; dies ist die Welt des Budapester U-Bahnkontrolleurs Bulcsú (Sándor Csányi ), der täglich mit seiner illustren Gruppe an Kollegen zahlreichen Problemen mit Fahrgästen ausgesetzt ist. Da wären wild pöbelnde Fußballfans, unkommunikative ausländische Reisende oder auch ein jugendlicher Sprayer, der einfach zum Spaß die Kontrolleure terrorisiert. Das treibendste Plotelement bleibt jedoch der mysteriöse Mörder, der im Untergrund sein Unwesen treibt und scheinbar wahllos Fahrgäste umbringt, indem er sie immer dann auf die Gleise schubst, wenn die nächste Bahn einfährt. Bulcsús Suche nach dem Killer wird dabei von allerlei nichtigen Problemen und seltsamen Begegnungen unterbrochen, die episodisch erzählt werden. So trifft er unter anderem auf eine junge Frau namens Szofi (Eszter Balla), die in einem Bärenkostüm durch die U-Bahnstationen streift und Bulcsú den Kopf verdreht. Die einzelnen Plotbausteine ergeben zwar nicht zwangsweise eine stringente Handlung, sind allerdings trotzdem merkbar miteinander verbunden. Ein Gefühl kryptischer Vertracktheit im Stile eines David Lynch stellt sich am Ende jedoch nicht ein.

Antal erzählt seine Geschichten über die Budapester Verkehrsbetriebe in stellenweise beeindruckenden Bildern von urbaner Ästhetik. Einigen Einstellungen haftet in der Tat etwas poetisches, leicht surreales an, wie beispielsweise als Bulcsú im Schatten vor zwei riesigen Ventilatoren steht. Das U-Bahnnetz entwickelt sich in Kontroll zu einer ganz eigenen, merkwürdigen Welt, die den Zuschauer in ihren Bann zieht.

Kontroll ist ein spannender Film, der zwischen komödiantischen Passagen, Selbstfindungsdrama und düsterem Thriller schwankt. Nimród Antal meistert diese Mischung mit Bravour und fesselt in jeder einzelnen Szene an den Bildschirm. Ein kleines ungarisches Glanzstück, das zwar bisweilen von der Alltagsrealität der Budapester U-Bahn abweicht, so aber auch zu einem einzigartigen Filmerlebnis wird.

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2 Gedanken zu “Kontroll

  1. Ja, hätte man machen können. „Kontroll“ gehört nämlich trotz der Handlungsstruktur nicht zu der Art von Film, die zu anstrengend wird und sich lockerer Unterhaltung entzieht. ^^

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  2. Wenn ich mir das jetzt so durchlese bereue ich es gerade, dass wir den nicht gesehen haben, als du bei mir warst. Der scheint ja in der Tat ziemlich toll zu sein. xD
    Klingt jedenfalls sehr interessant.

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