The Cell

The Cell

The Cell war 2000 der Start in Hollywood für den indischen Regisseur Tarsem Singh, der zuvor nur Werbe- und Musikvideos drehte, dafür aber bereits vielfach gelobt und geachtet wurde. Besonders mit seinem mehrfach ausgezeichneten Musikvideo zu R.E.M. – Losing My Religion machte er auf sich aufmerksam. Seinen kreativen und sehr eigenen Stil konnte er fortan also auch in Spielfilmlänge ausleben.

Carl Stargher (Vincent D’Onofrio) ist ein Serienmörder, der seine Opfer – junge Frauen – in einen Tank speert und filmt, wie sie ertrinken, während sich der Tank unaufhörlich mit Wasser füllt. Den Ermittlern um Peter Novak (Vince Vaughn) gelingt es schließlich, den Täter zu fassen, doch eine weitere Frau wird noch vermisst und nur Stargher kennt den Aufenthaltsort des sich automatisch füllenden Tanks. Das Problem ist jedoch, dass Stargher psychisch am Ende ist und eine Form von Schizophrenie aufweist, die jede vernünftige Befragung unmöglich macht. Die einzige Möglichkeit, um an die Information zu gelangen, ist ein Projekt, das ursprünglich zur Betreuung von Komapatienten entwickelt worden ist und Catherine Deane (Jennifer Lopez) in die Gedankenwelt ihrer Patienten eindringen lässt. Kurzerhand wird Stargher angeschlossen. Der Ort des Tanks muss innerhalb weniger Stunden gefunden werden, bevor es zu spät ist. Ein Wettlauf gegen die Zeit, aber auch vor allem ein Kampf gegen die abgründige Psyche eines schizophrenen Killers beginnt.

Die Ästhetik von The Cell ist wohl das herausragendste Merkmal, das den Film klar von seiner Genrekonkurrenz der sonst so typischen Serienmörderthriller unterscheidet. Catherine Deane dringt in den Geist von Carl Stargher ein und was sie dort vorfindet, ist alles andere als gewöhnlich. Starghers Psyche beheimatet eine alptraumhafte, surreale Welt mit zu Puppen präparierten Frauen, mittelalterlichen Foltergeräten und orientalischen Dekorationen. Tarsem Singhs Stil ist dabei geprägt von großen bunten Stoffen, goldenen Ornamenten und pompösen Gewändern; festgehalten wird dies durchgehend in perfekt abgestimmten Kameraeinstellungen, die so für ein einzigartiges visuelles Erlebnis sorgen. Düstere Korridore wechseln sich mit gigantischen Kanälen, langen Treppen und einsamen Wüsten ab. Die Gedankenwelten sind in der Tat beeindruckend, sodass die Rahmenstory um den Mörder in der realen Welt bisweilen in den Hintergrund zu rücken scheint. Tatsächlich sprach Tarsem Singh in einem Interview darüber, dass es ihm in erster Linie um die Reisen in die Psyche ging und dass der Plot um den Killer letzten Endes dann doch mehr zweckhaft angelegt ist. Diese Erkenntnis tut dem Filmgenuss aber keinen Abbruch. Spannung ist bis zum Ende vorhanden.

The Cell kann nicht mit überraschenden Plotwenden aufwarten und erreicht auch nicht die enorme Qualität eines Sieben (David Fincher, 1995), ist aber trotzdem ein ordentlicher Thriller, der eben vor allem durch seine fantastischen Gedankenreisen heraussticht und keine einzige Minute langweilt. Besonders Liebhaber surrealer und fantastischer Bilder werden diesen Film zu schätzen wissen und sich den Namen Tarsem Singh merken.

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