Die Stadt der verlorenen Kinder

Die Stadt der verlorenen Kinder

Immer dann, wenn Jean-Pierre Jeunet und Marc Caro gemeinsam einen Film machen, darf man mit einem extraordinären Art Design und einer eher unkonventionellen Ästhetik rechnen. Das war bereits bei der morbiden Endzeitkomödie Delicatessen (1991) so und das ist auch bei Die Stadt der verlorenen Kinder der Fall.

Der verrückte Wissenschaftler Krank (Daniel Emilfork) lässt von seinen Lakaien sämtliche Kinder der Stadt entführen, um ihnen mittels einer großen Maschine die Träume zu stehlen. Ein Plan, der ihn vor dem Altern bewahren soll. Als jedoch auch der kleine Junge, den der bärenstarke und liebesvolle One (Ron Perlman) bei sich aufgenommen hat, verschleppt wird, macht dieser sich zusammen mit der jungen Miette (Judith Vittet) auf, seinen „kleinen Bruder“ aus den Fängen Kranks zu retten. Doch der ist kein zu unterschätzender Gegner, denn seine sektenartigen Kinderfänger agieren in der gesamten Stadt und sein Labor ist von zahlreichen Seeminen umgeben.

Die Stadt der verlorenen Kinder gestaltet sich als stellenweise amüsantes, jedoch weitgehend düsteres Abenteuer in einer surrealen Stadt voller Kanäle, Treppen und Gassen. Das bereits angesprochene Art Design ist herausragend; seinerzeit auch von Terry Gilliam gelobt. Ein leichter Hauch von Art Déco findet sich in einigen Inneneinrichtungen und Kostümen, aber ebenfalls sind immer wieder Ventile, Schläuche und viktorianisch anmutende Maschinerien im Bild zu sehen. Die Stadt ist ein beklemmender, dreckiger Ort in Braun- und Grüntönen, die für eine stimmungsvolle Atmosphäre sorgen.
One und Miette begegnen bei ihrer Rettungsmission außerdem seltsamen Charakteren wie skrupellosen siamesischen Schwestern oder Kranks geklonten Gehilfen (Dominique Pinon), deren Original seine ganz eigenen Rachepläne verfolgt und eine tragende Rolle im Plot spielt.

Jeunet und Caro schufen mit Die Stadt der verlorenen Kinder ein fantastisches Abenteuer voller düsterer Gestalten, einen kleinen makabren Alptraum für jedes Alter. Es ist eine unterhaltsame Reise durch eine zwielichtige, feuchte Stadt, die der Zuschauer auf alle Fälle einmal wagen sollte. Und vor allem Liebhaber von Jeunets unverkennbarer Handschrift werden mal wieder voll und ganz auf ihre Kosten kommen.

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