Paprika

Paprika

Mit Perfect Blue (1998) legte Satoshi Kon damals einen exzellenten Psychothriller vor, der mit der Wahrnehmung von Charakteren und Zuschauer spielte und sich in lyncheske Gefilde vorwagte. Traum und Wirklichkeit sind seitdem das immer wiederkehrende Thema, das sich durch seine Werke zieht. Auch acht Jahre später geht es in seinem Film Paprika erneut um die menschliche Wahrnehmung, um manipulierbare Träume und um die schwindenden Grenzen zwischen Fantasie und Realität.

Jeder Mensch hat Träume, in denen er seine Probleme verarbeitet und die möglicherweise Rückschlüsse auf seinen Sorgen, seine Ängste, seinen Charakter geben. Um dies genauer zu erforschen wurde in naher Zukunft der DC Mini entwickelt, eine kleine Erfindung, die der Psychotherapeutin und Wissenschaftlerin Chiba Atsuko (Megumi Hayashibara) ermöglicht, die Träume ihrer Patienten wie einen Film aufzuzeichnen und anschließend zu analysieren.
Als allerdings einige der Prototypen des Geräts aus dem Labor entwendet werden, ist die Sorge groß, denn schließlich besteht die Möglichkeit, dass der Dieb den DC Mini zur Manipulation der Gehirne eventueller Opfer missbraucht. Chiba verfolgt umgehend die Hinweise auf den Täter, kommt aber nicht umhin, als ihr Alter Ego Paprika in die Welt der Träume abzutauchen, in denen der Dieb ebenfalls seine Spuren hinterlassen hat. Nachdem jedoch das tatsächliche Potential des DC Mini ausgeschöpft wird, verschwimmen die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit mehr und mehr und eröffnen ein ungeahntes Ausmaß von Gefahr.

Paprika ist ein einzigartiges, farbenfrohes Erlebnis, das allein schon durch seine Bilder begeistert. Der Film entfaltet seine ganze Pracht, wenn zahlreiche Puppen, Frösche und andere Kreaturen in einer skurrilen Parade durch Tokyo ziehen oder wenn Teile der realen Welt in sich zusammenfallen und den Weg in tiefere, surreale Ebenen offenbaren. Visuell bombardiert Kon den Zuschauer mit einer ganzen Menge an fantastischen Dingen, die Paprika zu einem einzigen Trip werden lassen. Die Animationsqualität ist dabei durchgehend auf absolut höchstem Niveau.
Unterstrichen wird die bunte Atmosphäre von den fröhlich poppigen Musikstücken Susumu Hirasawas, die stets die Szenen überaus passend begleiten.

Paprika ist wohl auf den ersten Blick bereits Satoshi Kons optisch ambitioniertestes Werk. Traum und Realität ist zwar sein Metier, aber nie zuvor gestaltete er ein surreales Erlebnis von solchen Ausmaßen. Der Film ist ein eigenartiges Abenteuer voller kreativer und vor allem bildgewaltiger Ideen, ein erstklassig gezeichneter Psychothriller, den man sich ansehen sollte. Am besten so oft es nur geht.

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