Paranoid Park

Paranoid Park

Gus Van Sant war danach, einen Film über Schuld, Reue und Paranoia zu drehen; ein ruhiges Drama über einen Jugendlichen an einer High School. Um die Rollen dieses Umfelds auch authentisch zu besetzen, suchte er sich sogar fast den gesamten Cast über die Internetcommunity MySpace zusammen. Ein Wagnis, das zwar nicht perfekt, aber durchaus gut funktioniert. Paranoid Park versprüht eine ganz eigene Art von Magie.

„Dude, I don’t think I’m ready for Paranoid Park“, sagt Alex (Gabe Nevins), doch das Drängen seines Kumpels Jared (Jake Miller) treibt die beiden letztendlich in den Skatepark am Fluss, den die zahlreichen Skater der Stadt ganz allein illegal errichtet haben. Der Paranoid Park ist ein faszinierender Ort, an dem Alex Stunden verbringen könnte, die ihn von den Problemen seiner geschiedenen Eltern oder gar von seiner oft nur allzu nervigen Freundin Jennifer (Tylor Momsen) ablenken. Alles wäre im Lot, gäbe es da nicht diesen Zwischenfall an den nahegelegenen Gleisen, bei dem ein Mann vom Sicherheitsdienst von einem Zug überrollt wird. Die Polizei fahndet nach dem Täter. Selbst an Alex‘ High School werden die skatenden Schüler nach Informationen befragt. Die Situation verunsichert Alex, denn er scheint mehr über den Tod des Sicherheitsmannes zu wissen, als er vor Detective Lu (Dan Liu) zugibt.

Was nun tatsächlich dahintersteckt, wird jedoch erst im nicht chronologischen Verlauf der Handlung nach und nach aufgedeckt und atmosphärisch bebildert. Die gesamte Stimmung des Films kann teilweise schon fast als hypnotisch bezeichnet werden, vor allem, wenn Van Sant immer wieder auf den gekonnten Einsatz von nahen Zeitlupenaufnahmen setzt, die mit sphärischer Musik unterlegt sind. Stilistisch ist Paranoid Park also ziemlich faszinierend, doch die Charaktere können da nicht ganz mithalten. So ist Alex‘ Freundin Jennifer eine Figur, die über ihr bloßes Klischee hinaus nichts weiter zu bieten hat. Auch Alex selbst nimmt man nicht in jeder Phase des Films seine inneren Konflikte ab. Trotz der Schwächen fügen sich die Charaktere jedoch weitgehend passend ins Geschehen ein, was nicht zuletzt an der Natürlichkeit ihrer Darsteller liegt, die einiges wettmacht.
Musikalisch wird abgesehen von den genannten sphärischen Klanglandschaften auch einiges geboten. Neben französische Experimentalmusik reihen sich impulsiver Emocore und poppige Klassiker. Die bunte Mischung wirkt aber an keiner Stelle unpassend, sondern stets gekonnt eingesetzt.

Insgesamt ist Paranoid Park zwar ein nachdenkliches Drama, das hin und wieder den Eindruck erweckt, dass Gus Van Sant mehr auf Ästhetik als auf Charaktertiefe oder Plot setzt, aber nichtsdestotrotz ein gutes Filmerlebnis, das den Zuschauer mit seiner hypnotischen Kraft zu faszinieren weiß.

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