Pans Labyrinth

Pans Labyrinth

Nach mal mehr und mal weniger interessanten Filmen war Pans Labyrinth wohl der endgültige Durchbruch für den mexikanischen Regisseur Guillermo del Toro, der Filmfans zuvor eher durch Mimic (1997) und Blade II (2002) bekannt war. In seinem postmodernen Fantasy-Drama hingegen lässt er nun auf eindrucksvolle Weise und in wunderschönen Bildern Feengeschichten mit der militärischen Repression Spaniens kollidieren.

Spanien, 1944. Der Bürgerkrieg ist seit fünf Jahren beendet. Ein scheinheiliger Frieden herrscht im Land, die Bevölkerung leidet unter dem Franco-Regime. Der zur faschistischen Falange Española angehörige Hauptmann Vidal (Sergi López) macht von einer zum Militärlager umfunktionierten Mühle in den Bergen Jagd auf Partisanen. Seine derzeitige Ehefrau Carmen (Ariadna Gil) ist mit ihrer Tochter aus vorheriger Ehe, Ofelia (Ivana Baquero) angereist, weil ihre Schwangerschaft sich dem Ende neigt und der stolze Hauptmann Vidal die Geburt seines Kindes – für ihn kommt natürlich nur ein Sohn in Frage – miterleben will.
Die zwölfjährige Ofelia hingegen ist von ihrem neuen Stiefvater und dessen menschenverachtender Gesinnung nicht das geringste Bisschen begeistert. Da das Militärlager außerdem kein Ort für junge Mädchen ist und ihre Mutter aufgrund der bevorstehenden Geburt immer weniger Zeit für sie hat, erforscht Ofelia lieber das Umland. Unweit vom Lager entdeckt sie ein altes Labyrinth und eine Treppe in die Tiefe. Der Abstieg hat schicksalsträchtige Folgen, als sie dort einem seltsamen Wesen, einem Pan (Doug Jones) begegnet, der sie als Prinzessin eines mystischen Reiches zu erkennen glaubt und sie zur Rückkehr bewegen will. Dazu jedoch müsse sie mehrere gewagte Prüfungen ablegen, die nicht nur fantastische Gefahren bergen, sondern auch an Grenzen stoßen, die den Zorn des Hauptmanns erregen können.

Visuell punktet Pans Labyrinth auf ganzer Linie. Seien es die harschen Szenen Vidals, wie der Moment, in dem er einem armen Jäger mit einer Flasche das Gesicht einschlägt oder auch – beziehungsweise vor allem – die Wesenheiten, auf die Ofelia während ihrer Ausflüge in fantastische Zwischenebenen trifft; besonders der kinderfressende Pale Man tut sich positiv hervor. Maske, Ausstattung und Effekte wissen zu begeistern.
Der inhaltliche Spagat zwischen einer gewalttätigen Realität im Franco-Spanien und der verträumten Welt der Feen und des Pans gelingt Guillermo del Toro ziemlich gut. Die Struktur folgt diesem Wechselspiel natürlich ebenfalls. Stets wird der Zuschauer mit den Eindrücken beider Welten konfrontiert, zwischen denen er mit Ofelia hin- und herreist. Beide Seiten zusammen – faschistische Mörder und putzige Feen, blutige Gefechte in spanischen Wäldern und geheimnisvolle Festmähler in mysteriösen Speisesälen, eine Welt voller Schrecken und eine Welt voller Magie – erzeugen jedoch eine ungemeine Intensität, die den Film auszeichnet und als wuchtiges Erlebnis in Erinnerung bleiben wird.

Pans Labyrinth ist ein handwerklich ausgezeichneter Film, dessen überragende Kameraarbeit immer wieder die explizite Grausamkeit der spanischen Faschisten und die eskapistischen Begegnungen Ofelias mit Feen und monströsen Kreaturen gekonnt einfängt. Von der unschuldigen Ofelia und ihren Feengeschichten darf man sich allerdings nicht täuschen lassen: Der Film ist tatsächlich nicht für eine junge Zielgruppe ausgelegt. Das macht der brutale Hauptmann Vidal immer wieder nur allzu deutlich. Del Toros Fantasy-Drama ist also kein Familienfilm, aber nichtsdestotrotz ein eindrucksvolles Werk, das seinem Regisseur nicht umsonst zunächst den Regiesitz für das Hobbit-Projekt bescherte, bevor sich schlussendlich doch Peter Jackson der Verfilmung annahm.

Advertisements

Kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s