The Limits of Control

The Limits of Control

Jim Jarmusch war ja irgendwie schon immer ein verschrobener Regisseur, der von seinen Zuschauern nicht wenig abverlangte. Ein gemächliches Erzähltempo und überlange Einstellungen prägten seine nachdenklichen Werke durchgehend. Mit The Limits of Control ist ihm nun aber ein Film gelungen, der all das in Sachen trockener Sperrigkeit noch übertrifft, ein radikales Etwas, bei dem sich Jarmusch nicht das Geringste um den Komfort des Zuschauers scherrt und damit sämtliche Meinungen spaltet.

Ein Flughafen. Der geheimnisvolle Farbige (Isaach de Bankolé) erhält einen noch geheimnisvolleren Auftrag, der ihn ins heiße Spanien führt. Dort angekommen, soll er sich mit verschiedenen Mittelsmännern treffen, um weitere Instruktionen zu erhalten. Sein erster Hinweis ist beispielsweise die Anweisung, Ausschau nach einer Violine zu halten. An den unterschiedlichsten Orten trifft der Protagonist dadurch nacheinander undurchschaubare Charaktere wie die Blondine (Tilda Swinton), die Nackte (Paz de la Huerta), den Amerikaner (Bill Murray) und einige weitere. Diese Personen monologisieren über die verschiedensten Dinge von Physik über Kunst bis hin zu Sex und übergeben dem schweigsamen Protagonisten anschließend eine Streichholzschachtel mit einem Zettel, bevor ihn sein Weg weiter zum nächsten seltsamen Menschen führt. Zwischen diesen Szenen, die nicht einmal als Plot Points fungieren, da sie die ohnehin spärrliche Narration nur immer weiter in die selbe, mysteriöse Richtung führen, beobachtet der Zuschauer den Protagonisten bei sich immer wiederholenden Bestandteilen seines Tagesablaufs, der unter anderem aus immer wiederkehrenden Sequenzen von Meditationen, Spaziergängen und Kleidungswechseln besteht. Die Handlung bewegt sich also von Monolog zu Monolog und von Ort zu Ort, bis sie schließlich am Ende zwar eine Art Abschluss findet, zugleich aber nur noch weitere Fragen aufwirft.

Die ästhetische Ebene des Films ist allerdings über jeden Zweifel erhaben. Ob nun die kleinen Cafés und schmalen Gassen Sevillas oder die weiten spanischen Steppenlandschaften, Jarmusch beweist ein Auge für schöne Bilder. Zusammen mit dem treibenden Soundtrack, für den unter anderem Boris und Sunn O))) verantwortlich waren, erzeugt das eine rauhe, trockene, aber auch mystische Stimmung. Auf der inhaltlichen Seite kann man sich über die Qualität von The Limits of Control sicher streiten. Die Monotonie, die häufigen Monologe, der mysteriöse Protagonist, der sich nur äußerst selten zu einem Wort hinreißen lässt – all diese Elemente versprechen nicht unbedingt massenkompatible Unterhaltung.

Für die einen ist der Film daher sicherlich nur eine langweilige, prätentiöse Stilübung Jarmuschs, aber für andere kann der Film zu einer interessanten Reise werden, zu einem merkwürdigen, philosophischen Thriller, der eigentlich gar keiner ist. Jim Jarmuschs The Limits of Control ist ein spröder Brocken, der voller Schönheit stecken kann. Die Frage ist nur, ob man sich darauf einlassen möchte oder sich dem lieber verschließt.

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