Fitzcarraldo

Fitzcarraldo

Klaus Kinski äußerte sich zu seinem Verhältnis zu Regisseur Werner Herzog desöfteren mal wertschätzend, mal herablassend. Und trotz stets auftretender Differenzen, zog es den impulsiven Kinski immer wieder zu Herzog und seinen Filmen, um eine entscheidende Rolle darin zu spielen. Eine wichtige Zusammenarbeit ist der bildgewaltige Film Fitzcarraldo, dem man letztendlich seine nahezu wahnwitzigen Produktionsbedingungen nicht anmerkt, obwohl Körper und Geist eines jeden Beteiligten bis zum Äußersten gehen mussten, um dieses Werk zu vollenden.

Kinski mimt den Protagonisten der Geschichte, den Träumer Brian Sweeney Fitzgerald, allerorts nur Fitzcarraldo genannt, der nach dem Scheitern eines Eisenbahnprojektes seine Vision von einem Opernhaus inmitten des Regenwaldes realisieren möchte. Für die Eröffnung der Oper hat er außerdem natürlich niemand geringeren als den von ihm verehrten Star Enrico Caruso vorgesehen. Da bloße Zielstrebigkeit nicht ausreicht, benötigt Fitzcarraldo dringend Geld. Mit Hilfe seiner Freundin, der Bordellbesitzerin Molly (Claudia Cardinale) gelingt es ihm, ein Stück Land zu erwerben, dessen Kautschukbäume er zu großem Geld machen will. Doch das Gebiet ist derart unzugänglich und gefährlich, dass Fitzcarraldo nichts anderes übrig bleibt, einen kühnen Plan ins Auge zu fassen: Um das Ziel zu erreichen, hat er vor, mit einer Crew und einem Dampfschiff den Fluss hinabzufahren und an einer entscheidenden Stelle einen Berg zu überwinden – mit Schiff, versteht sich. Dass dieses Unterfangen alles andere als unproblematisch wird, ist schnell ersichtlich.

Dass Werner Herzog ablehnte, das Ziehen des Dampfschiffes über den Berg in einem Studio zu drehen, wirkte sich zwar zunächst negativ auf Kosten, Aufwand und Zeit der Filmproduktion aus, aber zahlte sich am Ende aus: Fitzcarraldo lebt von einer dichten und athentischen Atmosphäre, die der ohnehin nicht uninteressanten Grundidee nur zu Gute kommt. Zahlreiche Indios mühen sich an komplexen Zugkonstruktionen aus Holz und Seilen ab, um das Schiff den Berg hinauf zu hieven. Herzog besteht stets darauf, keine Filmtricks mit Modellen u.Ä. für solche Szenen anzuwenden und ausschließlich an Originalschauplätzen zu drehen; umso beeindruckender sind schlussendlich die fertigen Bilder und brachten ihm auch verdientermaßen einige Auszeichnungen ein, unter anderem den Regiepreis in Cannes.
Die andere tragende Rolle neben dem Dampfschiff hat natürlich, wie erwähnt, Klaus Kinski als titelgebender Antiheld. Er spielt gewohnt gut und erneut ist es ein Charakter, der von seiner Obsession geleitet wird, doch im Gegensatz zum gefährlichen Konquistador in Herzogs Aguirre, der Zorn Gottes (1972), blitzt im Opernliebhaber Fitzcarraldo viel seltener der Wahnsinn durch; viel besonnener will er seinen Traum verwirklichen.

Auf visueller Ebene ist Fitzcarraldo ein beachtliches Werk. Herzog erzeugt mit seinen stimmungsvollen Dschungelaufnahmen eine beeindruckende Bildgewalt. Begleitet wird das Ganze vom gelungenen Soundtrack der Band Popol Vuh, die schon früher mit Herzog kollaborierte und hier nun Fitzcarraldo und seinem Opernprojekt eine fast heilig anmutende Note verleihen.

Die vier Jahre der aufwändigen Produktion von Fitzcarraldo gestalteten sich für Herzog und Co. mindestens genauso abenteuerlich wie die Geschichte, die der Film erzählt, aber die Qualität hat dadurch nicht gelitten, im Gegenteil. Fitzcarraldo ist ein wuchtiges zweieinhalbstündiges Abenteuer im Regenwald und vielleicht das zentrale Werk in der Zusammenarbeit von Herzog und Kinski; ein Film, den man gesehen haben sollte.

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