Dark Horse

Dark Horse

Mit der skurrilen Komödie Dark Horse schrieb und drehte der Isländische Regisseur Dagur Kári – bekannt durch Nói albínói (2003) – seinen ersten dänischsprachigen Spielfilm. Heraus kam ein interessanter Blick auf amüsant merkwürdige Charaktere und ihre aus den Bahnen laufenden Lebensgeschichten.

Die Handlung dreht sich zum einen um einen sorglosen jungen Mann namens Daniel (Jacob Cedergren), der sein Geld mit Liebeserklärungen verdient, die er im Auftrag anderer an Häuserwände sprüht und um einen Richter (Morten Suurballe), der seinen Beruf nur äußerst gelangweilt ausübt und dabei Daniel, den man beim Sprayen erwischt hat, zu mehreren Sozialstunden verurteilt.
Das kommt Daniel nicht so gelegen, ist er doch ohnehin schon immer knapp bei Kasse; das wiederum derart, dass sein Vermieter schon daran ist, seine Tochter Daniels Hausrat an der Straße verkaufen zu lassen. Als wären nicht genug Probleme, verliebt sich Daniel auch noch in Francesca (Tilly Scott Pedersen), die ihren Bäckereijob aufgrund der Einnahme von psychedelischen Pilzen am Arbeitsplatz verloren hat. Ihre Liebesbeziehung wäre weniger problematisch, wenn nicht bereits Daniels bester und einziger Kumpel, der korpulente Morfar (Nicolas Bro) seit langem in Francesca verliebt gewesen wäre und sich nun darüber beklagen muss, dass sein Freund ihm die potentielle Liebe vor der Nase weggeschnappt hat. So bleibt ihm letztlich nichts anderes als die große Leidenschaft zum Fußball, die auch seinem zukünftigen beruflichen Aufstieg gewidmet sein soll: Die theoretische Prüfung zum Schiedsrichter hat Morfar mit Bravour bestanden; jetzt gilt es, seinen wuchtigen Körper für die praktische Prüfung in Form zu bringen.
Und dann wäre da ja auch noch der eingangs erwähnte Richter. Ihm ist in seiner Haut nicht so wohl; seine Familie und sein Beruf langweilen ihn und er erwägt einen Tapetenwechsel. Verpflichtende Auslandsreisen kommen ihm da stets sehr gelegen.

Abgesehen von dieser Konstellation sorgen auch weitere Figuren wie etwa Francescas liebessehnsüchtige Mutter oder ein lüsterner Freund Morfars für die ein oder andere humorvolle Szene – sofern man mit dem Humor etwas anfangen kann, denn nicht selten wird dort einfach mal ganz trocken lakonisiert und das ist tatsächlich nicht jedermanns Geschmack. Die Nebenfiguren sind natürlich eher schablonenhaft konzipiert und es sind eher die Hauptfiguren, die dem Film die emotionale Tiefe verleihen. Mit diesen Charakteren beschäftigt sich der Plot dafür umso intensiver und so manche wortlose Szene sagt mehr als jeder Dialog.
Visuell zeigt sich Dark Horse in einer kontrastreichen Schwarz-Weiß-Ästhetik, die nur in einer einzigen signifikanten Szene von Farbe durchbrochen wird. Káris Bildkompositionen verdeutlichen sein Können mit Licht und Schatten und vor allem mit Mustern und Strukturen, die bei einem Farbfilm sicher weit unauffälliger erscheinen würden. In vielen Szenen geht sein Film über den Standard seichter Komödien hinaus und verfolgt mit seiner Optik auch einen gewissen künstlerischen Anspruch. Ob das nun gelungen ist oder nicht, sei dahingestellt, aber schön anzusehen ist der Film auf alle Fälle.

Dark Horse ist eine dieser skandinavischen Produktionen, die eine ungemeine Gelassenheit ausstrahlt, ohne das Wesentliche aus den Augen zu verlieren. Grundsätzlich ist Dagur Káris Film ein nachdenkliches Werk, das zeigen immer wieder die Konflikte der Charaktere mit anderen Charakteren oder – und vor allem – mit ihren Lebenssituationen. Dass darüber hinaus die humorvolle und sympathische Stimmung nicht verloren geht, ist eine der ganz großen Stärken des Films und macht ihn zu einer unterhaltenden Komödie mit gewissem Anspruch.

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