The Fall

The Fall

Im Jahr 2000 beeindruckte der indische Regisseur Tarsem Singh noch mit einigen überaus stark bebilderten surrealen Traumsequenzen im Thriller The Cell, doch dann wurde es erst einmal still um den Filmemacher und es sollte ganze sechs Jahre dauern, bis er sein neuestes Werk den Zuschauern präsentierte. In der Zwischenzeit hatte Tarsem Singh seinen visuellen Stil derart verfeinert, dass aus The Fall ein opulentes, visuelles Meisterwerk geworden ist.

Die Handlung dreht sich um die sechsjährige Alexandria (Catinca Untaru), die sich in einem Krankenhaus im Los Angeles der zwanziger Jahre  ihre Zeit vertreiben muss, bis ihr gebrochener Arm geheilt ist. Als sie den Stuntman Roy (Lee Pace) kennenlernt, der nach einem tiefen Sturz am Filmset nun mit gelähmten Beinen im Bett liegt, ändert sich ihr ereignisloser Alltag, denn ihr neuer Freund beginnt, eine fantastische Geschichte zu erzählen, die das Interesse des neugierigen und redseligen Mädchens weckt. Roy schildert ein packendes Abenteuer von sechs Helden, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten und die dennoch ein gemeinsames Schicksal verbindet: Die Rache am grausamen Gouverneur Odious.
Unter den Gefährten befinden sich so illustre Gestalten wie ein Bandit, ein Sprengmeister, ein Inder, ein ehemaliger Sklave, ein Mystiker und sogar Charles Darwin in Begleitung eines kleinen Äffchens. So spannend die Geschichte auch ist, Roy erzählt sie nur gegen kleine Gegenleistungen. Immer wenn Alexandria hören möchte, wie es weitergeht, muss sie nicht ungefährliche Aufträge wie das Beschaffen von Morphium ausführen. Ist das Abenteuer um die sechs Helden zunächst noch eine erstrebenswerte Belohnung, wird die Geschichte allerdings im weiteren Verlauf immer aussichtsloser und grausamer, während zugleich die Grenzen zwischen Fantasie und Wirklichkeit immer mehr zu verschwimmen scheinen.

Und besonders die fantastischen Elemente gelingen Tarsem Singh mal wieder ausgesprochen gut. Alexandria vermischt die gesehenen Dinge und Menschen aus dem Krankenhaus mit ihrer Vorstellung von Roys erzählter Geschichte. Dadurch entsteht zu den Charakteren eine surreale Vertrautheit, welche die beiden Narrationsebenen verbindet. Beispielsweise finden sich die Masken, die die Krankenhausmitarbeiter der Röntgenabteilung tragen, in Roys Geschichte als Helme von Gouverneur Odious‘ Männern wieder.
Die grundsätzliche Struktur der Handlung ist allerdings nicht neu, denn The Fall basiert auf dem bulgarischen Drama Yo Ho Ho (Zako Heskija, 1981). Dafür wartet Tarsem Singhs Film mit umso bildgewaltigeren Einstellungen auf. An erstaunlichen 26 Locations in über 18 Ländern gedreht, präsentieren sich dem Zuschauer eindrucksvolle Wüstenlandschaften, und prachtvolle Tempel mit imposanter Architektur. Die Darsteller sind dazu passend in bunte Kostüme gekleidet, die das ein oder andere Mal bewusst als dominante Farbe vor den in Erdtönen gehaltenen Hintergründen auftreten.

Bei The Cell hatte man Tarsem Singh nicht zu Unrecht vorgeworfen, sich zu stark auf das Visuelle konzentriert zu haben und dabei die Geschichte vernachlässigt zu haben, da vieles letzlich doch um die Traumsequenzen herumkonstruiert erschien. Die Ästhetik von The Fall ist sogar noch durchdachter und noch aufwändiger, hat aber zugleich auch eine stärkere Bindung zur Handlung und lässt den Film viel mehr wie eine kunstvolle Einheit wirken statt wie ein steifes Konstrukt. Tarsem Singh hat ein fantastisches Epos abgeliefert, das aufgrund seiner visuellen Kraft zu einem zeitlosen Meilenstein der Filmästhetik werden könnte.

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