Black Swan

Black Swan

Ursprünglich hatte Darren Aronofsky ein Drehbuch im Sinn, das von der Liebe eines Wrestlers zu einer Ballerina handeln sollte. Letzlich schien ihm das allerdings zu viel für einen einzelnen Spielfilm und so teilte er seine Ideen auf zwei verschiedene Filme auf. Einer davon entstand 2008 und trägt den Titel The Wrestler, der andere ist Aronofskys neuestes Werk, Black Swan, eine elegante Symbiose aus Psychothriller und Body Horror.

Die Handlung dreht sich um die junge Ballerina Nina Sayer (Natalie Portman), die die Möglichkeit erhält, in Thomas Leroys (Vincent Cassel) außergewöhnlicher Neuinterpretation des Stückes „Schwanensee“ die Hauptrolle zu tanzen. Thomas‘ nie dagewesene Version sieht  nämlich  vor, dass die Charaktere der weißen und der schwarzen Schwanenkönigin dieses Mal von ein und derselben Person verkörpert werden. Ninas Darbietung des weißen Schwans begeistert Thomas, doch wenn es daran geht, den schwarzen Schwan zu präsentieren, ereilt sie stets das gleiche Problem: Ihre Ambitionen lassen Nina nach technischer Perfektion streben, doch dabei zugleich jegliche Leichtigkeit vergessen. Es gelingt ihr nicht, sich von ihrem versteiften Auftreten zu lösen und sich fallen zu lassen, um ganz in der Rolle des schwarzen Schwans aufgehen zu können. Ganz anders verhält es sich hingegen mit Lily (Mila Kunis), einem lebensfrohes Mädchen mit einer natürlichen Ungezwungenheit und somit ein krasser Gegensatz zur ernsten, fixierten Nina.
Dass der Druck von allen Seiten zu kommen scheint, macht es Nina natürlich auch nicht leichter. Die Erwartungen des Lehrers, die aufstrebende Konkurrentin, der erschütternde Anblick der von Thomas gnadenlos aufs Abstellgleis verfrachteten Vorgängerin Beth (Winona Ryder), sowie die überbesorgte Mutter, die ihre eigene gescheiterte Ballettkarriere durch ihre Tochter neu leben will, wirken auf Nina ein und treiben sie – wie zuvor schon so einige von Aronofskys Charakteren – in einen finsteren Abgrund, der Körper und Geist zu verschlingen scheint.

Die Ähnlichkeit zum vorangegangenen The Wrestler wird schnell deutlich. Beide Filme zeigen die körperlichen Zerstörungen, die sich in den beiden Darstellunsformen Ballett und Wrestling vornehmlich hinter den Kulissen abspielen und dem gewöhnlichen Zuschauer verborgen bleiben. In Black Swan knacken die Gelenke und schwellen die Zehen an. Aronofsky dokumentiert ohne Zurückhaltung die Tortur, die die Tänzerinnen durchstehen müssen. Ansonsten unterscheiden sich die beiden Filme vor allem stilistisch deutlich. Ist The Wrestler ein eher konventionelles Drama über einen alternden Wrestlingstar in realistischen Farbtönen und mit wenig Beleuchtungsspielerei, zeigt sich Black Swan dagegen als beklemmendes Verwirrspiel um Wahn und Wirklichkeit in wenigen Farben und starken Kontrasten. Die Kamera bleibt dabei fast schon beängstigend nah bei Gesichtern und Körpern, während die Kulisse ihr Übriges dazu beiträgt. Totalen gibt es ebenso selten wie Tageslicht. Schwarz, weiß und grau dominieren die Farbpalette in der sich Nina unter stetem Erfolgsdruck und wachsender Paranoia von ihrem tristen, engen Zuhause zur Ballettprobe und zurück bewegt.

Ein immer präsentes Gefühl von Unsicherheit, sowie die surrealen Elemente, die sich vor allem in einer Metamorphose der besonderen Art manifestieren, erinnern sogar am ehesten noch an Aronofskys herausragenden Debütfilm Pi (1998), der neben The Fountain (2006) zu den stärksten Filmen des Regisseurs gehört. An die Qualität dieser beiden Werke reicht Black Swan nicht ganz heran, dafür ist er insgesamt zu vorhersehbar, in einigen Elementen nicht subtil genug und an anderer Stelle wiederum nicht konsequent genug. Trotzdem gelang Darren Aronofsky ein eleganter, ästhetischer Film, der mit starken Schauspielleistungen aufwarten kann, Psychological Horror und Body Horror gekonnt kombiniert und zugleich ein Charakterdrama der etwas anderen Art ist.

Advertisements

5 Gedanken zu “Black Swan

  1. Wie verschieden die Meinungen sein können. Ich fand The Fountain äußerst enttäuschend. Dass der Ausgang von Black Swan nicht überrascht, und somit der ganze Film mehr oder weniger vorraussehbar ist finde ich ist kein wirklicher Makel. Und fehlende Subtilität in einem Aranonowsky-Film ist doch nichts Neues und macht den Mann schließlich aus. Die große Ausnahme war The Wrestler, den ich noch vor Black Swan als seinen besten Film ansehe. Wenn du reich an Zeit bist, kannst du dir ja gern meine Rezension auf meiner Seite zu Black Swan zu gemüte führen.

    Gefällt mir

    1. Ah, ja, besonders zu THE FOUNTAIN sind die Meinungen in der Regel recht gespalten, wie ich schon öfters feststellen durfte.
      Während des Anschauens von BLACK SWAN hat mich der schon zu erwartende Ausgang gar nicht mal gestört. Aber in einer nachträglichen Reflektion darüber, dachte ich mir, dass ich doch gern noch irgendetwas anderes, überaschenderes am Ende gehabt hätte. Mittlerweile, geb ich zu, bin ich mir aber auch darüber gar nicht mehr so sicher.
      Deine Rezension lese ich mir nachher mal durch. Davon abgesehen finde ich nach dem ersten Blick auf deine Seite vor allem das Design äußerst ansprechend. Da wünsche ich mir direkt wieder mehr entsprechende Anpassbarkeit bei WordPress, die aber ohne kostenpflichtiges Account-Upgrade erst recht nicht möglich ist. Vielleicht wird’s ja mal Zeit, hm…

      Gefällt mir

      1. Über The Fountain muss sich wohl jeder selbst sein Bild machen, wobei die Musik ohne Zweifel grandios ist.
        Was WordPress-Designs angeht kannst du dich ja mal mit Photoshop + dem Divine-Plugin austoben. Damit sollst du aus PSD-Dateien ein recht ansehnliches WordPress-Theme erstellen können.

        Gefällt mir

  2. Endlich mal nicht ein Totalverriss oder eine gnadenlose Lobhudelei! Du machst mich direkt neugierig auf den Film, den ich mir nach zwiespältigen Erfahrungen mit Aronofsky jedoch erst auf DVD genehmigen werde.

    Gefällt mir

    1. Die Verrisse finde ich auch nicht wirklich nachvollziehbar. Ich halte den Film für durchaus gelungen. Ein Meisterwerk ist es nicht, aber den Kinobesuch war er allemal wert. Aber na gut, ich bin eigentlich sowieso ein Fan von Aronofskys Filmen, in gewisser Weise. So richtig enttäuscht hat mich der Mann noch nicht. BLACK SWAN sagt mir allerdings mehr zu als THE WRESTLER.

      Gefällt mir

Kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s