I Saw the Devil

I Saw the Devil

Das Thema Rache ist im koreanischen Kino besonders seit der entsprechenden Trilogie von Park Chan-wook unglaublich beliebt und die Flut an neuen Rachethrillern nimmt nicht ab. Dass dabei auch so einiges an eher belangloser Fließbandware herauskommt, verwundert natürlich nicht. Wenn allerdings Kim Jee-woon auf dem Regiestuhl Platz nimmt, sind die Erwartungen der Zuschauer erfahrungsgemäß hoch.

I Saw the Devil erzählt die Geschichte zweier Männer in einem Kampf auf Leben und Tod. Der eine, Kyung-chul (Choi Min-sik), ist ein bestialischer Serienkiller, der bevorzugt Frauen in seinen gelben Schulvan lockt und anschließend in seiner Folterkammer zerstückelt. Sein Gegenüber ist Kim Soo-hyeon (Lee Byung-hun), ein Mitarbeiter des koreanischen Geheimdienstes, der sich eigentlich auf einen romantischen Geburtstag seiner Verlobten Ju-yeon gefreut hatte, bis eine grausame Tat sein Leben für immer verändert.
Es beginnt in einer verschneiten Nacht auf einer verlassenen Landstraße, Ju-yeon befand sich auf dem Heimweg, um ihren Geburtstag mit Soo-hyeon zu feiern und ihn mit der freudigen Neuigkeit ihrer Schwangerschaft zu überraschen, muss aber nun ausharren und auf den Abschleppwagen warten. Während sie in der Zwischenzeit voller Vorfreude mit ihrem Verlobten telefoniert, hält vor ihr ein gelber Van, dessen Fahrer ihr hilfsbereit anbietet, sich um den Reifen zu kümmern. Soo-hyeon rät ihr noch am Telefon, lieber auf den Abschleppdienst zu warten, doch ehe sie sich versieht, hat Kyung-chul bereits die Scheibe auf der Fahrerseite eingeschlagen, verpasst der jungen Frau ein paar Hiebe bis zur Bewusstlosigkeit und zerrt sein Opfer in den Van, um es anschließend daheim zu vergewaltigen und zu zerstückeln.
Die Polizei verspricht, den Mörder zu fassen und vor Gericht zu bringen, doch das ist Soo-hyeon nicht genug. Er nimmt sich eine zweiwöchige Auszeit von der Arbeit und stellt seine eigenen Nachforschungen an. Nachdem er Kyung-chul endlich aufgespürt hat, nimmt ein teuflisch brutales Katz-und-Maus-Spiel seinen Lauf, bei dem Soo-hyeon den Mörder seiner Verlobten nicht mit dem Tod entkommen lassen, sondern ihn so viel wie nur möglich leiden sehen will.

Nach den ersten Filmminuten lässt man sich leicht dazu verleiten, gemäß dem Filmtitel den Teufel im psychopathischen Kyung-chul zu sehen, ist er schließlich tagsüber ein freundlicher Schulvanfahrer und nach Feierabend ein bösartiges Frauen schlachtendes Monster. Schon bald wird jedoch klar, dass der Teufel in jedem von uns stecken kann, wie Soo-hyeon beweist. Im Telefonat mit Ju-yeon zeigt er sich als liebevoller, romantischer junger Mann mit positiver Grundhaltung. Als ihm aber die Liebe seines Lebens so plötzlich und so grausam geraubt wird, verwandelt er sich nach und nach in einen hasserfüllten Mann ohne Gnade oder Kompromisse. Dank eines Senders, den ihm ein Geheimdienstkollege beschafft hatte, bleibt er wie ein Bluthund an Kyung-chul dran, um ihn immer wieder aufs Neue zu überraschen, übel zuzurichten und wieder zu verschwinden. Bricht er ihm bei ihrer ersten Begegnung die Hand, schneidet er ihm beim nächsten Aufeinandertreffen bereits die Achillessehne durch. Und stets lässt er Kyung-chul am Leben, um seine Rache möglichst lang und brutal auszuweiten. Vom lächelnden Mann zu Beginn des Films ist keine Spur mehr zu sehen. In seinen Augen vereinen sich nur noch Wut und Trauer zu grenzenlosem Hass. Der Rest seines Gesichts ist eine emotionslose Maske, die ihn bei seinen Aktionen kaltblütig und routiniert erscheinen lässt.

Beide Protagonisten sind zudem erstklassig besetzt. Choi Min-sik hat zum einen Genreerfahrung durch Oldboy (Park Chan-wook, 2003) und Lady Vengeance (Park Chan-wook, 2005) und spielt vor allem in letztgenanntem ebenfalls einen perversen Killer. Lee Byung-hun ist ein wiederkehrendes Gesicht in Filmen von Kim Jee-woon und hat seit A Bittersweet Life (2005) auch bereits einen Rachefeldzug hinter sich. Dass diese beiden bekannten koreanischen Schauspielgrößen nun in I Saw the Devil aufeinander treffen würden, sorgte schon im Vorfeld für gespannte Erwartung beim Publikum.

Neben den Darstellern ist aber vor allem die packende Inszenierung das treibende Element. Kamera, Montage und Mise-en-Scène sind bei Kim Jee-woon erneut auf höchstem Niveau und ähneln vereinzelt dem Stile Parks. Der Einfluss ist zwar erkennbar, von einer schalen Kopie ist Kims Film jedoch weit entfernt. Vor allem die Szene eines brutalen Handgemenges in einem fahrenden Taxi, die in der Kameraführung an Children Of Men (Alfonso Cuarón, 2006) erinnert, hat es in sich.
Wo Kim A Bittersweet Life noch mit viel Melodramatik füllte, setzt er bei I Saw the Devil auf rustikale Brutalität. Die Gewalt ist tatsächlich sowohl qualitativ, als auch quantitativ hoch, aber gerade die Intensität dieser Bilder ist für die Wirkung der Handlung unabdingbar. Der Plot selbst ist dabei zwar nicht unbedingt überraschend und der Film bringt auch keine nie dagewesenen Innovationen in das Genre, ist aber ein knallharter Rachethriller, der die Spannung bis zum bitteren Ende aufrecht erhalten kann und handwerklich nichts zu wünschen übrig lässt.

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