Rango

Rango

Vier Jahre nachdem Gore Verbinski mit dem Piratengenre abschloss und Fluch der Karibik 3 (2007) gedreht hatte, erschien mit Rango sein nächster Film. Dieses Mal stiefelt der Regisseur schnurstracks in den Wilden Westen und Johnny Depp folgt ihm, um dem Protagonisten im ersten abendfüllenden Animationsfilm der Spezialeffektfirma Industrial Light & Magic seine Stimme zu verleihen.

Das Abenteuer beginnt allerdings zunächst nicht ganz so abenteuerlich: In einem Terrarium auf der Rückbank eines Autos ist probt ein Chamäleon  (Johnny Depp) Theaterstücke auf der Suche nach sich selbst. Aber wie es der Zufall so will, kann es seine Identitätskrise schon bald  versuchen, draußen zu bewältigen, denn eine Bodenwelle schleudert das Tier aus dem fahrenden Wagen mitten in die texanische Wüste. Dort trifft der Protagonist auf  eine weitere Echse, das Leguanfräulein namens Beans (Isla Fisher), die sich auf dem Weg in ein kleines Westerndorf  mit dem einladenden Namen Dirt („Dreck“) befindet. Im örtlichen Saloon angekommen, verpasst sich das Chamäleon den Namen Rango. Die Dorfbewohner sind schnell beeindruckt, als der Fremde von einer Geschichte erzählt, in der er sieben Brüder mit nur einer Kugel erledigte. Diese erlogene Prahlerei verhilft Rango daraufhin unverhofft zum Posten des Sheriffs von Dirt, ein erstrebenswerter Posten, wenn es da nicht zwei Probleme gäbe: Zum einen gehen die Wasservoräte des Dorfes zur Neige und zum anderen überleben Sheriffs in Dirt für gewöhnlich nie sonderlich lange.

Die Handlung ist eine weitgehend typische Westerngeschichte, die sich vielfach vor Genregrößen wie Für eine Handvoll Dollar (Sergio Leone, 1964) und – natürlich – Django (Sergio Corbucci, 1966) verbeugt, aber auch selbstverständlich mit ganz eigenen außergewöhnlichen Einfällen aufwarten kann. Zu nennen ist hier allein schon die packende Verfolgungsjagd durch eine Schlucht mit auf Fledermäusen reitenden Maulwürfen. Neben den durchgehend dynamisch inszenierten Actionszenen, in denen Rango und seine illustre Truppe, mit der er die Suche nach dem Wasser angeht, mit allerlei Gefahren konfrontiert werden, sind es besonders die gewitzten Dialoge, die den Film ausgesprochen sympathisch machen. Das titelgebende Chamäleon stiehlt dabei seinen Mitstreitern allerdings ein wenig die Show, denn mal wieder ist es zum einen eine Rolle, die Gore Verbinski für Johnny Depp maßgeschneidert zu haben scheint, auf der anderen Seite befindet sich der Protagonist zugleich auf einer Metaebene, in der er das klassische Heldentum karikiert und reflektiert. Rango wird zu Filmbeginn als schauspielendes Chamäleon präsentiert, im Saloon von Dirt gibt er sich bewusst heroisch und wird schließlich von enthusiastischen Bürgern in eine Rolle gedrängt, die er nach kurzem Zweifel dankend annimmt. Die Wüste wird zu Rangos Bühne, der Sheriffstern sein Kostüm. Und obwohl Rango eigentlich nur den Helden spielt, lässt sich im Laufe des Abenteuers nicht abstreiten, dass ihm diese Rolle vielleicht besser steht, als anfangs gedacht. Eine Gruppe Eulen-Mariachis tut dann ihr übriges und schwächt auf amüsante Weise die filmische Immersion noch weiter, indem sie als begleitende Erzählinstanz auftreten, die immer wieder vom nahenden Tod des Helden singt.

Auf der visuellen Ebene ist Rango ausgezeichnet. Der Stil hebt sich erfreulicherweise von der abstrakteren, cartoonartigen Ästhetik vieler Konkurrenzfilme aus dem Hause Pixar oder Dreamworks ab und besticht durch hohen Detailreichtum sowohl bei Figuren, als auch bei der Umgebung. Die Farbpalette bleibt dem Genre angemessen bei überwiegend erdigen Tönen, was dem Film trotz der nicht zu leugnenden Überzeichnung einen realistischen Touch verleiht. Für die Musik komponierte Hans Zimmer gewohnt gute Stücke, die jede Szene passend untermalen.

Der Animationsfilmeinstand von Gore Verbinski und Industrial Light & Magic darf zweifellos als gelungen bezeichnet werden. Gerade die etwas andere Herangehensweise an bekannte Konventionen – in erster Linie in Gestalt des unterhaltsam und intelligent konzipierten Hauptcharakters – machen Rango zu einem empfehlenswerten Filmspaß.

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3 Gedanken zu “Rango

  1. Auf Rango bin ich bereits sehr gespannt, da er einer der wenigen interessanten Animationsfilme der letzten Zeit darstellt. Neben Black Swan ein Film, welchen ich mir unbedingt in den nächsten Monaten kaufen möchte.

    Der Protagonist sieht Johnny Depps Rolle in Fear and Loathing in Las Vegas relativ ähnlich. (Auch wenn ich diesen Film nicht schätze). Vermutlich eine Anspielung durch die ebenfalls skurrile Atmosphäre.

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  2. Ich habe zwar mit Animationsfilmen in den letzten Jahren nicht die besten Erfahrungen gemacht (was auch an meinem fortgeschrittenen Alter liegen mag); aber deine Besprechung liest sich ausserordentlich verlockend. Zusammen mit der Stimme von Johnny Depp bedeutet dies eigentlich – Sichtung!

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    1. Ja, schau dir den ruhig an. RANGO spricht mit seinen filmischen Zitaten und geistreichen Dialogen ohnehin eher die erwachsenen Zuschauer an. Kinder können mit Pixarfilmen sicherlich mehr anfangen.

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