Mystery Men

Mystery Men

Heutzutage sind Superheldenfilme und deren Parodien in beinahe ermüdender Regelmäßigkeit auf der Kinoleinwand zu sehen, doch bereits 1999 schuf Kinka Usher mit seinem ersten und einzigen Spielfilm Mystery Men eine Komödie, die durch die gekonnte Karikatur gängiger Superheldenklischees auch heute noch zu überzeugen weiß.

Die Handlung beginnt mit einem schurkischen Angriff auf ein Seniorentreffen, das die eher wenig erfolgreichen Superhelden Mr. Furious (Ben Stiller), Shoveler (William H. Macy) und Blue Raja (Hank Azaria) versuchen zu verhindern. Als das selbst von Polizisten verspottete Trio daran scheitert, liegt es an keinem geringeren als dem stadtbekannten und überaus beliebten Superhelden Captain Amazing (Greg Kinnear), die Angreifer zu überwältigen. Der schmierige Vorzeigeheld hat allerdings ein kleines Problem: Es gibt keine wirklichen Superschurken mehr in der Stadt, die seinen rapide sinkenden Werbeeinnahmen entgegenwirken könnten. Also wird kurzerhand Captain Amazings Erzfeind Casanova Frankenstein nach 20 Jahren aus der Irrenanstalt entlassen, doch der hat nicht die geringste Lust, dem Superhelden in die Hände zu spielen. Er sprengt die Anstalt in die Luft und nimmt den überheblichen Captain Amazing gefangen.
Zeit also für die zweitklassigen Superhelden, sich zu beweisen, die Stadt zu retten und Captain Amazing zu befreien. Doch zuvor soll ein Casting helfen, weitere Unterstützung gegen das Böse zu gewinnen, denn momentan sind Mr. Furious, Shoveler und Blue Raja den Schergen von Casanova Frankenstein noch deutlich unterlegen.

Zwei Jahre vor dem Erscheinen von Kinka Ushers Superheldenparodie sorgte Joel Schumachers filmisches Debakel Batman & Robin für einen vorläufigen Knockout des Superheldengenres. Dementsprechend war Mystery Men kein besonderer Erfolg beschert und erwies sich als Flop. Mehr Anerkennung hätte der Film jedoch verdient gehabt, denn trotz stellenweise übertriebener Albernheit und äußerst eindimensionaler Charaktere zünden dennoch die meisten der zahlreichen Gags und Seitenhiebe. Die Figuren werden hauptsächlich auf ihre Heldenfähigkeit reduziert; so wird Mr. Furious ausgesprochen wütend, der Shoveler kämpft mit Bergarbeiterhelm und Schaufel für Gerechtigkeit und Blue Raja wirft mit Besteck auf seine Gegner. Es gibt unter anderem noch absurde Gestalten wie den Invisible Guy, der behauptet, unsichtbar werden zu können, aber nur dann, wenn gerade niemand hinsieht oder den Spleen, dessen Fürze eine betäubende Intensität aufweisen. Mit einer charmant-skurrilen, aber eigentlich überaus ineffektiven Superheldentruppe stellt Kinka Usher das Genre auf den Kopf. Das Ganze ist zwar simpel gestrickt, aber die Darsteller – allen voran Ben Stiller und William H. Macy – überzeugen dafür auf ganzer Linie.
Auch Elemente wie der nicht ganz so strahlende Captain Amazing, dessen Moral den eigenen Vorteil an die höchste Stelle setzt oder das kuriose Casting, bei dem allerlei selbsternannte Superhelden auftauchen und das in zahlreichen Comics praktizierte Heldentum endgültig ins Lächerliche ziehen, rauben dem Genre auf geschickte Weise die letzte Glaubwürdigkeit und Ernsthaftigkeit.

Wenn Helden auf Schurken treffen, ist natürlich Ärger vorprogrammiert. Die entsprechenden Actionszenen sind solide inszeniert und witzig anzusehen. Die Farbgebung des Films ist wie erwartet ziemlich bunt, von den verrückten Kostümen bis hin zur Beleuchtung und Ausstattung der Handlungsorte. Stilistisch hat man es hier mit einem noch überzeichneteren Setting als dem Gotham City aus Tim Burtons ohnehin schon stark comicartigen Batman (1989). Während heutige Superheldenfilme einen authentischeren, realistischeren Look anstreben, steckt Mystery Men noch voll und ganz in den 90ern.

Die Geschichte von trotteligen Loser-Helden, die letzten Endes doch erfolgreich den Kampf gegen das Böse aufnehmen ist aus heutiger Sicht sicherlich weit weniger einfallsreich als noch damals, funktioniert in Mystery Men aber trotzdem ganz gut. Kinka Ushers leider einziger Film ist zwar ein finanzieller Reinfall, was das Aus für den Regisseur bedeutete, aber nichtsdestotrotz ein fulminanter Spaß, der mit einigen lustigen Einfällen zu unterhalten weiß.

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