The Silent House

The Silent House

Es ist so eine Sache mit südamerikanischen Filmen. Auf der großen Leinwand sieht man sie in Deutschland in der Regel allenfalls auf Filmfestivals. Danach geht es – wenn überhaupt – direkt in die DVD-Abteilung. Das Nischendasein, das diese Filme fristen ist keine Überraschung. Während Argentinien und Brasilien allerdings noch gut 100 Filme jährlich produzieren, reichen die finanziellen Mittel in Ländern wie Uruguay gerade einmal für eine Handvoll Filme. The Silent House ist einer davon und sorgt zumindest für so viel internationales Aufsehen, dass sich Hollywood bereits die Remakerechte gesichert hat.

Der Horrorfilm von Gustavo Hernández basiert auf einer wahren Begebenheit, die sich Ende der 40er Jahre in einem einsamen Haus auf dem Land abgespielt haben soll. Wilson (Gustavo Alonso) hat seinem Freund Néstor (Abel Tripaldi) angeboten, das heruntergekommene Gebäude zusammen mit seiner Tochter Laura (Florencia Colucci) zu renovieren. Da der Abend naht, beschließen die beiden, erst einmal im Haus zu übernachten, um am nächsten Tag mit der Arbeit zu beginnen. Doch irgend etwas stimmt nicht; Geräusche aus dem oberen Stockwerk hindern Julia am Einschlafen und so bittet sie ihren Vater, der Sache auf den Grund zu gehen. Als dieser aber nicht wohlbehalten zurückkehrt, nimmt der Horror seinen Lauf.

The Silent House brüstet sich in erster Linie damit, echten Horror in Echtzeit zu zeigen, sprich: Über die volle Laufzeit von 86 Minuten soll es nur eine einzige ununterbrochene Einstellung geben. Es finden sich zwar einige wenige äußerst finstere Stellen, die sich ideal für einen unsichtbaren Schnitt eignen, aber selbst wenn Regisseur Hernández hier und da mit einem kleinen Trick arbeiten würde, schmälerte dies in keinster Weise den beklemmenden Eindruck des Films. Protagonistin Laura wandert mit einer Petroleumlampe durch die scheinbar verlassenen Flure und Zimmer, auf der Flucht vor einer unsichtbaren Bedrohung. Die Kamera bleibt ihr dabei durchgehend auf den Fersen. Spärlich beleuchtete Aufnahmen, in denen Laura zudem mit ihrer Präsenz immer wieder den Bildausschnitt verengt, sorgen für eine durchaus unheimliche Atmosphäre. Der Zuschauer bleibt somit stets nah am Charakter und sieht dabei oft noch weniger als Laura selbst. Statt einer wackeligen subjektiven Handkamera wie bei Blair Witch Project (Daniel Myrick & Eduardo Sánchez, 1999) oder Cloverfield (Matt Reeves, 2008) setzt Hernández auf eine ruhige Kamera, die die Hauptfigur nie aus den Augen verliert; sie kreist entweder langsam um Laura herum oder lässt sich geschickt platziert in einer Zimmerecke nieder, um die gruselige Stimmung aufrecht zu erhalten. Passend eingesetzte Schreckmomente sorgen zwischendurch dafür, dass bei aller unheimlichen Atmosphäre auch trotzdem eine gewisse Dynamik nicht zu kurz kommt. Besonders packend sind zum Beispiel die Sekunden, in denen Laura ohne Petroleumlampe auskommen muss und ihre Umgebung nur mit dem Blitzlicht eines Fotoapparates für wenige Augenblicke erhellen kann, während irgendwo im selben Zimmer die Gefahr droht.

Insgesamt bietet The Silent House zwar inhaltlich keine Innovation und bedient sich einiger bekannter Horrorelemente, sowie einer etwas schwachen finalen Auflösung, übt aber gerade aufgrund der starken Kameraführung und nicht wahrnehmbaren Schnitten einen Reiz aus. Unterm Strich gelang Gustavo Hernández ein solider Horrorfilm, der nicht literweise Blut verspritzt, sondern eher durch die Angst vor der Dunkelheit besticht und so für die nötige Gänsehaut sorgt.

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