Lady Snowblood

Lady Snowblood

Ob man nun die Filme von Quentin Tarantino mag oder nicht, eines muss man ihm lassen: Die zahlreichen Zitate und Hommagen in seinen Streifen drücken nicht nur seine Wertschätzung für die Regisseure seiner Lieblingsfilme aus, sondern bewahren alte Filmperlen auch davor, in Vergessenheit geraten, wenn sich neugierige Filmfans aufmachen, die Inspirationsquellen des Kultregisseurs zu ergründen. So ist es auch bei seinem Rachezweiteiler Kill Bill (2003 & 2004), der keinen Hehl daraus macht, sich inhaltlich und stilistisch stark am japanischen Klassiker Lady Snowblood orientiert zu haben.

Die Protagonistin Yuki (Meiko Kaji) kommt im Gefängnis zur Welt. Von vornherein ist ihr Schicksal fremdbestimmt; der einzige Zweck ihrer Zeugung ist die Rache ihrer Mutter Sayo (Miyoko Akaza). Deren Familie wurde nämlich kaltblütig ermordet, weil man ihren Mann aufgrund seiner auffallend weißen Kleidung für einen der verhassten Beamten hielt. Einen der vier Mörder konnte Sayo töten, doch ihre lebenslange Haftstrafe hindert sie daran, ihre Vergeltung eigenhändig zu vollenden. An der Stelle tritt Yuki auf den Plan: Bei einem ehemaligen Samurai aufgewachsen, macht sie sich zwanzig Jahre nach ihrer Geburt auf, die verbliebenen Täter aufzuspüren und einen nach dem anderen zu erledigen.

Lady Snowblood basiert auf dem gleichnamigen Manga von Kazuo Koike und Kazuo Kamimura. Zwar erreicht die Adaption nicht den Umfang und die Tiefe ihrer Vorlage, aber eine Übertragung auf das filmische Medium lässt sich nun einmal nicht ohne Anpassungen vornehmen. Der Manga beinhaltet mehr Nebenhandlungen, in denen Yuki sich als Auftragskillerin verdingt und die Urheber gesellschaftlicher Missstände tötet. In Fujitas Film hingegen ist die politische Komponente der Geschichte nur noch in Ansätzen vorhanden. Der Plot ist zwar grob in die Meiji-Zeit eingebettet und besonders das Aufeinandertreffen zwischen japanischer Tradition und westlichem Fortschritt wird beispielsweise in der finalen Konfrontation thematisiert, doch letzten Endes stehen die Schwertkämpfe und das literweise vergossene Blut im Vordergrund und machen den Film zu dem, was er ist: Exploitation.

Die Spezialeffekte sind ohne Frage aus heutiger Sicht vielleicht nicht immer ganz ernst zu nehmen, aber davon einmal abgesehen ist es Toshiya Fujitas ästhetisches Gespür, das den Film von plumpem Gewalttrash abhebt und auch fast vierzig Jahre später zeitlos schön erscheinen lässt. Blutfontänen wechseln sich ab mit im Wind rauschenden Blättern und tosenden Wellen; Schwerter prallen aufeinander, während sanft der Schnee zu Boden rieselt. Brutale Gewaltakte weichen im nächsten Moment der Güte gegenüber Unschuldigen; Yuki metzelt sich durch die Mörder und ihre Handlanger, verschont aber deren Angehörige. Sowohl inhaltlich, als auch auf visueller Ebene platziert Fujita diese Kontraste mit artistischer Präzision.
Zusammengefasst ist Lady Snowblood natürlich nach wie vor einfach eine blutige Schlachtplatte mit Rachemotiv, aber eine mit stilsicheren Bildern, einer starken Hauptdarstellerin und einer melancholischen Atmosphäre, die sich durch den gesamten Film zieht.

Advertisements

Kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s