Das Königreich der Katzen

Das Königreich der Katzen

Im Jahr 1995 erschien Studio Ghiblis Stimme des Herzens, eine Coming-Of-Age-Romanze, in der die Protagonistin einen Roman über eine Katze namens Baron schreibt. Dieser Nebencharakter, der im Film zum einen als Statuette und zum anderen aktiv in visualisierten Romanausschnitten auftritt, kam bei Publikum und Studio so gut an, dass Aoi Hiiragi darum gebeten wurde, eine tatsächliche Geschichte um den elegant gekleideten Kater zu erdichten. Der so entstandene Manga wurde wiederum zur Vorlage von Das Königreich der Katzen, ein familientauglicher Anime, bei dem Hiroyuki Morita Regie führte.

Die 17-jährige Schülerin Haru (Chizuru Ikewaki) staunt nicht schlecht, als sie eine Katze davor rettet, von einem Lastwagen überfahren zu werden und das Tier seine Dankbarkeit anschließend in verständlichen Worten ausdrückt. Es stellt sich heraus, dass der gerettete Kater niemand geringeres als der Sohn des Katzenkönig ist, welcher in der folgenden Nacht bekannt gibt, dass Haru die Ehre zuteil wird, den Prinzen zu ehelichen. Leider steht ein Ablehnen dieses Angebots außer Frage und so wendet sich das Mädchen an ein Katzenbüro unter der Leitung von Baron Humbert von Gikkingen (Yoshihiko Hakamada), der zusammen mit seinen Freunden, dem wohlbeleibten Kater Muta (Tetsu Watanabe) und der Krähe Toto (Yōsuke Saitō), einen Plan schmiedet, um die bevorstehende Hochzeit zu verhindern. Als Haru dann auch noch vom königlichen Gefolge ins Königreich der Katzen verschleppt wird, damit die Heirat baldmöglichst stattfinden kann, wird die Zeit allerdings denkbar knapp.

A propos knappe Zeit: Die Filmlänge beträgt lediglich 75 Minuten. In diesem engen Zeitfenster finden sich jedoch so viele Elemente, dass die Handlung spätestens nach dem ersten Drittel des Animes einfach viel zu gehetzt wirkt. Darunter leiden vor allem die Charaktere, deren Dialoge somit auf ein Nötigstes reduziert wurden, um ja die Geschichte halbwegs vollständig in der kurzen Laufzeit unterbringen zu können. So bleiben die Motivationen oberflächlich und die Figuren stellenweise ziemlich austauschbar. Die amüsanten und actionreichen Szenen entschädigen zwar besonders das jüngere Publikum, den faden Beigeschmack von verschenktem Potential überdecken sie dennoch nicht. Die Gründe dafür bei einem niedrigen Budget zu suchen sind naheliegend, vor allem dann, wenn man zusätzlich die technische Seite des Animes betrachtet. Zeichen- und Animationsqualität erreichen gerade einmal das Niveau einer ordentlich produzierten Animeserie. Im Filmbereich ist man – speziell von Studio Ghibli – besseres gewohnt. Im direkten Vergleich mit beispielsweise dem ungefähr sieben Jahre älteren Stimme des Herzens zieht Moritas Film klar den kürzeren. Mehr Details und Schattierungen hätten dem Ganzen gut getan.

Das Königreich der Katzen ist damit zwar noch kein schlechter Film und dürfte Kindern gut gefallen, doch unter Betrachtung der sonst so starken Werke des Studios wird man als älterer Zuschauer eher enttäuscht. Der Ghibli-typische Zauber kommt hier einfach nicht zur Geltung.

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