Symbol

Symbol

Als Teil des Stand-Up-Duos Downtown ist Hitoshi Matsumoto in Japan eine feste Größe im Comedybereich. Im japanischen Fernsehen sieht man ihn in seiner eigenen Sendung, als Gastgeber diverser Varieté-Shows, in Werbespots, Fernsehdramen und als Hauptdarsteller in seinen eigenen bisher zwei abendfüllenden Spielfilmen. Diese Filme sind es, die durch ihre Vorführung vor internationalem Publikum erst dafür gesorgt haben, dass Matsumoto auch außerhalb Japans auf sich aufmerksam machen konnte. Seiner grotesken Monstertrashparodie Der große Japaner – Dainipponjin (2007) folgte der noch verrücktere Symbol, der 2010 auf dem Fantasy Filmfest anlief und neue Maßstäbe in Sachen urkomischer Skurrilität setzte.

Die Handlung besteht aus zwei Strängen, zwischen denen immer mal wieder gewechselt wird. Der eine erzählt die Geschichte eines Luchadors, eines mexikanischen Wrestlers, der sich mithilfe seiner Familie auf seinen großen Kampf vorbereitet. Im anderen Handlungsstrang erwacht ein Mann (Hitoshi Matsumoto) in einem tür- und fensterlosen, leeren, weißen Raum und trägt nichts weiter als einen bunten Schlafanzug. Die Geschichte in Mexiko kommt zunächst gar nicht mal allzu sonderbar daher: Dass der Wrestler nie seine Maske ablegt und dass seine Schwester in Nonnenkleidung eine überaus aggressiv-rasante Fahrweise an den Tag legt, sind da noch die Höhepunkte. Ganz anders verhält es sich mit den Szenen im weißen Raum; als unzählige Statuen von Engelsknaben aus der Wand hervortreten, nimmt der absurde Spaß erst seinen Lauf. Nachdem die Statuen wieder verschwinden, bleiben lediglich ihre Geschlechtsorgane sichtbar auf der Wand zurück. Irritiert und fasziniert zugleich stellt der Mann fest, dass durch das Drücken eines dieser Penisse stets prompt ein Objekt durch eine Klappe in der Wand ins Zimmer fällt. Die Gegenstände, die er auf diese Weise erhält, sind von völlig unterschiedlicher Art; die Vielfalt reicht von Bleistiften und Comicheften über Sushi und Esstäbchen bis hin zu einem Pümpel oder gar einem Gepäckwagen. Ob und wie all die völlig bezuglosen Dinge ihm dabei helfen sollen, aus diesem Raum zu entkommen, ist dem Mann noch nicht klar, aber eines garantiert: Er wird alles daran setzen, einen Ausweg aus dieser grotesken Situation zu finden.

Ein Mann, allein und gefangen in einem leeren Raum. Was nach einer Voraussetzung für einen beklemmenden Psychothriller klingt, entpuppt sich als irrwitziger Spaß. Der Einfallsreichtum des Protagonisten, der in seiner verzweifelten Situation nicht mehr als einen Haufen zufälliger und scheinbar nicht zueinander passender Gegenstände zur Verfügung hat, ist zur gleichen Zeit beeindruckend und belustigend. Zugegeben, die Szenen im weißen Raum sind ziemlich eigenwillig, aber – wenn man mit dem Humor etwas anfangen kann – auch äußerst unterhaltend. Dadurch fällt allerdings eine Schwäche des Films auf: Der Handlungsstrang um den mexikanischen Wrestler kann zu keinem Zeitpunkt mithalten. Weder inhaltlich, noch inszenatorisch wirken diese Szenen in irgendeiner Weise besonders. Anfangs entsteht der Eindruck, beide Handlungsstränge seien gleichwertig. Umso enttäuschender, dass einer der beiden nicht wirklich viel bieten kann. Sobald aber die Verbindung zwischen den zuerst vollkommen zusammenhangslos wirkenden Geschichten klar wird, ordnet sich der Mexiko-Plot glücklicherweise dem Weißer-Raum-Plot unter, auch was die Wichtigkeit für die komplette Handlung angeht. Einen faden Beigeschmack hinterlässt das Ganze dennoch, denn man hätte diese Episoden deutlich kürzer fassen können, wenn schon der andere Handlungsstrang in allen Punkten erkennbar Priorität genießt.

Nichtsdestotrotz bleibt Symbol ein wahnsinniger Spaß mit unerwartet bedeutungsschwangeren Schlussminuten. Wer bereits an Matsumotos abgefahrenem Debüt Gefallen gefunden hat, wird bei seinem zweiten Film garantiert nicht minder begeistert.

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