Moonrise Kingdom

Moonrise Kingdom

Das Filmfestival von Cannes hat traditionell eher den Fokus auf bedeutsame, ernste Filme gerichtet. Umso erfrischender also, dass es 2012 mit einer gewissen Leichtigkeit eröffnet wurde, als Wes Anderson seine neue Komödie Moonrise Kingdom präsentierte.

Wir schreiben das Jahr 1965. Ort der Handlung: Eine kleine Insel ohne befestigte Straßen vor der Küste von New England. Der zwölfjährige Sam (Jared Gilman) ist Pfadfinder bei den Khaki Scouts, die gleichaltrige Suzy (Kara Hayward) die introvertierte Tochter eines neurotischen Anwaltspaars (Frances McDormand & Bill Murray). Die Kinder verlieben sich ineinander und beschließen, der Welt den Rücken zu kehren und in die Wildnis zu fliehen. Selbstverständlich sind die Erwachsenen ganz und gar nicht damit einverstanden. Scout Master Randy Ward (Edward Norton) organisiert seine Pfadfinder umgehend zu einem Suchtrupp, Suzys besorgte Eltern setzen ihre Hoffnung in den Polizisten der Insel, Captain Sharp (Bruce Willis). Es dauert nicht lange, bis die Suche nach den beiden Ausreißern eine immer größere Personenzahl involviert und als zu allem Überfluss auch noch ein gewaltiger Sturm die Inselregion heimsucht, droht der jungen Liebe ein jähes Ende.

Auf den ersten Blick bleibt der Regisseur seinem Stil treu: Moonrise Kingdom ist ein waschechter Wes Anderson mit dysfunktionalen Familien und jeder Menge bunter Details, die seine typische Ästhetik prägen. Alles wie gehabt? Nicht ganz, denn zum einen verbergen sich unter der Oberfläche des Films ganz persönliche Erfahrungen und Erinnerungen aus Andersons Kindheit im Pfadfinderlager, die ihn zu dieser Geschichte inspirierten. Das Verhältnis des Regisseurs zu seinem Werk ist dieses Mal also deutlich intimer als bei seinen vorherigen Filmen und verleiht ihm eine autobiografische Note.
Im Widerspruch dazu – und das ist die auffallendste Schwäche des Films – steht seltsamerweise die ungewöhnliche Distanz, die der Zuschauer zu den Figuren hat. Ganz anders als beispielsweise in Die Royal Tenenbaums (2001), Die Tiefseetaucher (2004) und Darjeeling Limited (2007) bleiben die Charaktere in Moonrise Kingdom blasser als gewohnt. Anderson kratzt hier nur an der Oberfläche und erreicht zu keinem Zeitpunkt die emotionale Tiefe, die seine Filme sonst so auszeichnet. Insbesondere gegen Ende zeigt sich auch die Dramaturgie als nicht ganz so ausgeklügelt, wenn sich die Ereignisse ein wenig überschlagen und die Geschichte zu einem gehetzten Ende gebracht wird, mit dem es sich Anderson ein wenig zu einfach macht.

Trotzdem bietet Moonrise Kingdom starke Unterhaltung und wird für Freunde skurriler Komödien sicher nicht langweilig. Es handelt sich zwar nicht um Wes Andersons besten Film, aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Visuell zeigt sich der Regisseur mal wieder in Hochform. Verblichene Gelbtöne dominieren die Farbpalette ohne ins allzu Künstliche eines Jean-Pierre Jeunet abzudriften. Kostüm- und Setdesign sind herausragend stilvoll und zeigen einmal mehr, wie es Anderson gelingt, ein dichtes, ästhetisches Universum zu errichten, das all seine Filme verbindet. Das aufgebotene Darstellerensemble spielt seine Rollen überzeugend, sowohl die etablierten Stars um Murray, Willis und Norton, als auch die beiden Jungschauspieler Kara Hayward und Jared Gilman. Der Soundtrack reicht von opulenten Orchesterstücken bis hin zu französischen Chansons und untermalt die Bilder perfekt.
An manchen Stellen fragt man sich zwar, ob Moonrise Kingdom nicht ein wenig mehr Substanz hätte vertragen können, in Anbetracht der so liebevoll erzählten Geschichte möchte man Anderson diesen Makel aber gern verzeihen und den Film genießen.

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