eXistenZ

Existenz

Spätestens seit den 90er Jahren stößt man im Science-Fiction-Genre immer öfter auf alternative Realitätsebenen. Sei es nun im actionorientierten Blockbusterkino wie Matrix (Andy & Lana Wachowski, 1999) und Inception (Christopher Nolan, 2010) oder in den zu Unrecht weniger beachteten Filmperlen, die die Thematik nicht selten intellektueller, psychologischer und abgründiger verarbeiten wie beispielsweise Dark City (Alex Proyas, 1998). Zu Filmen letzterer Art gehört auch David Cronenbergs eXistenZ, der das Spiel um virtuelle Realitäten gekonnt mit dem für den kanadischen Regisseur so typischen Body Horror vereint.

Die Zeit der konventionellen Videospiele, ist passé. Heutzutage kann ein Spiel – einmal mit dem menschlichen Körper verbunden – direkt vor dem geistigen Auge erlebt werden. Möglich macht diese Art der Unterhaltung vor allem die führende Game-Designerin Allegra Geller (Jennifer Jason Leigh). Bei der öffentlichen Vorführung ihrer neuesten Schöpfung, eXistenZ, kommt es jedoch zu einem terroristischen Angriff, der ihre Ermordung zum Ziel hatte. Gemeinsam mit Ted Pikul (Jude Law), der sich seinen neuen Job in der Marketingabteilung ganz anders vorgestellt hatte, gelingt es Allegra zu fliehen. Besorgt darüber, dass ihr „Game Pod“ Schaden genommen haben könnte, bittet sie Ted darum, mit ihr das Spiel zu betreten, um auf Nummer sicher zu gehen.

Was dann folgt ist ein unbehaglicher Trip in eine virtuelle Realität, deren künstliche Charaktere eine irritierende Befremdlichkeit ausstrahlen und sowohl Ted, als auch den Zuschauer ein wachsendes Gefühl von Paranoia erleben lassen. Cronenbergs visuelle Gestaltung der Spielwelt ist dabei aber niemals extravagant oder aufdringlich. Teure CGI-Effekte sucht man vergeblich. Wird zwischen den Ebenen gewechselt, äußern sich die Unterschiede viel subtiler, beispielsweise in leicht veränderter Kleidung, merkwürdigen Gegenständen und ungewöhnlichen Dialogen mit den nichtmenschlichen Figuren. Die visuell ausgefallensten Elemente sind hier sicherlich die organischen Gerätschaften wie etwa der fleischige, nierenähnliche Pod, der über eine Art Nabelschnur an einen Menschen angeschlossen wird, um das Spielen zu ermöglichen oder die aus Fleisch und Knochen bestehende Pistole, die Zähne verschießt.

Auch wenn Cronenberg natürlich mit der Wahrnehmung seiner Zuschauer spielt, ist eXistenZ allerdings keineswegs zu verkopft. Im Gegenteil, die merkwürdige Atmosphäre, die Konfusion der Hauptcharaktere, sorgt auch für den ein oder anderen amüsanten Moment. Darüber hinaus lässt es sich der Regisseur ebenfalls nicht nehmen, die Handlung mit bizarren, sexuell aufgeladenen Metaphern zu versehen. Allein dadurch, dass man ein Videospiel über einen organischen Schlauch in eine kleine Öffnung im unteren Rückenbereich anschließt, bieten sich dafür selbstverständlich genügend Möglichkeiten. Wie soll man den Film also einordnen? Es ist Science-Fiction über künstliche Welten, die auf effektgeladenes Spektakel verzichtet, aber stattdessen mit cronenberg’schem Bio-Ekel angereichert ist ohne jedoch zu stark in Richtung klassischem Horror zu driften. eXistenZ ist ein mysteriöser Thriller ohne Längen, dafür mit jeder Menge Spannung bis zum interessanten, wenngleich nicht völlig unvorhersehbaren Ende.

Advertisements

Kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s