Bad Santa

Bad Santa

Es ist mal wieder soweit, die Vorweihnachtszeit ist da! Das bedeutet für das Fernsehprogramm vor allem eines: Jede Menge Weihnachtsfilme, die den Zuschauer in die richtige Weihnachtsstimmung versetzen sollen. Jahr für Jahr setzt man dabei allerdings auf herzerwärmende, klischeebeladene Geschichten, deren zahme Konfliktansätze sich schnell in familiäres Wohlgefallen auflösen. Glücklicherweise gibt es auch Ausnahmen, die all denen eine willkommene Abwechslung bieten, die sich nicht zum x-ten Mal ansehen möchten, wie sich Tim Allen in sein Weihnachtsmannkostüm quetscht.

Regisseur Terry Zwigoff – der ein oder andere kennt von ihm vielleicht Ghost World (2001) oder Art School Confidential (2006) – machte sich 2003 daran, eine solche Ausnahme zu kreiren. Bad Santa heißt das Werk und handelt vom verkommenen Säufer Willie (Billy Bob Thornton), der tagsüber für die Kinder den Weihnachtsmann im Kaufhaus mimt, nur um selbiges anschließend an Heiligabend mit seinem als Elf verkleideten, kleinwüchsigen Kollegen Marcus (Tony Cox) bis auf den letzten Dollar auszurauben. Die Lage verkompliziert sich jedoch, als Gestalten wie ein zwielichtiger Kaufhausdetektiv (Bernie Mac), ein gutgläubiger kleiner Junge (Brett Kelly) und eine Frau mit Santa-Fetisch (Lauren Graham) Willies kriminelles Dasein kreuzen.

Das Hauptargument des Filmes, das dem familienfreundlichen Weihnachts- und damit verbundenen Konsumwahn seinen Spiegel vorhält, ist unzweifelhaft die Figur des fluchenden, trinkenden, rauchenden und lüsternen Willie, die von Billy Bob Thornton mit einer unheimlich lässigen Souveränität verkörpert wird. Er kommt besoffen und viel zu spät zur Arbeit, stürzt in die Dekoration, schläft sich seinen Rausch am falschen Ort, zur falschen Zeit aus oder treibt es auch mal in den Umkleidekabinen der Abteilung für Frauenbekleidung. Dass er dazu noch Kinder absolut verabscheut, qualifiziert ihn selbstverständlich noch weniger für den Job als Santa, doch seine niedrigen Lohnforderungen lassen der Kaufhausleitung keine Wahl. Billy Bob Thornton spielt eine menschgewordene Frechheit und sorgt mit seinem desinteressierten, ungehobelten und fragwürdigen Auftreten für schockierte Kinder und empörte Eltern.
Darum dreht sich letztlich der gesamte – im übrigen von den Coen-Brüdern produzierte – Film, was zwar weitgehend hervorragend funktioniert, aber auch irgendwann ein paar Abnutzungserscheinungen zeigt. Nichtsdestotrotz hat Bad Santa sich sein R-Rating redlich verdient und ist damit nur Erwachsenen zugänglich. Dieses Alleinstellungsmerkmal als familienuntauglicher Weihnachtsfilm macht ihn zu etwas Besonderem. Das ist dann als Marketingkniff nicht nur für die Produzenten lukrativ, sondern eben auch für den Zuschauer lohnenswert, der damit eine bissige, schwarze Komödie serviert bekommt, die zum Glück nicht irgendwann in zuckersüßem Kitsch zergeht. Das Drehbuch umschifft zwar nicht alle Klischees, die Hollywood in diesem Genre zu bieten hat, löst seine Charakterentwicklungen und das dazugehörige Filmende aber recht gekonnt, ohne allzu aufgesetzt und künstlich zu wirken.

Wer sich also einmal einen etwas anderen Weihnachtsfilm ansehen will, liegt hier genau richtig. Bad Santa ist ein (fast) rücksichtsloser Gegenentwurf zu all den Wohlfühlfilmen, die den Dezember jahrein, jahraus dominieren.

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