Jacob’s Ladder

Jacob's Ladder

Man kann einem 71-jährigen Regisseur natürlich keinen Vorwurf machen, wenn die Pausen zwischen seinen Filmen immer länger werden und doch sind nun bereits zehn Jahre vergangen, dass Adrian Lyne mit Unfaithful (Untreu, 2002) einen Film herausbrachte. In den 80ern war ihm der Durchbruch gelungen; er feierte mit Flashdance (1983), 9 1/2 Wochen (1986) und Eine verhängnisvolle Affäre (1987) große Erfolge. Dagegen wird sein bisher einziger Ausflug in das Horrorgenre leicht übersehen: Jacob’s Ladder.

Der Film handelt vom Vietnam-Veteran Jacob (sehr authentisch verkörpert von: Tim Robbins), der inzwischen in New York lebt und einer Arbeit bei der Post nachgeht. Doch trotzdem kommt er nicht zur Ruhe. Schreckliche Visionen vom Krieg und vom Tod seines Sohnes lassen ihn immer wieder schweißgebadet erwachen. Er beginnt auch tagsüber unheimliche Dinge wahrzunehmen und schon bald wird die Trennung von Realität und Wahnvorstellung immer schwieriger. Als er herausfindet, dass teilweise auch seine ehemaligen Kameraden betroffen sind, kommt er einem finsteren Geheimnis auf die Spur, während er versucht, zwischen Wahrheit und Einbildung nicht dem Wahnsinn zu verfallen.

Lynes Film ist in seiner unbehaglichen Atmosphäre ungemein dicht, wodurch sowohl der Protagonist, als auch der Zuschauer völlig zurecht immer paranoider und verstörter werden. Jacob’s Ladder ist ein spannender Mystery-Thriller, aber eben auch schleichender Horror, der einen zu verzehren droht, was nicht zuletzt daran liegt, dass die Komplexität der Handlung durch die verschiedenen Erzählebenen, die schrittweise hinzugefügt werden, zu einer bedrohlichen, erdrückenden Macht heranwächst, die dem Zuschauer kaum Luft zum Atmen lässt.

Über die visuelle Gestaltung soll nicht zu viel verraten werden, macht doch schließlich das eigene Ergründen der alptraumhaften Dinge, denen sich Protagonist Jacob ausgesetzt sieht, den Reiz an diesem Film aus. Dennoch bleiben Szenen, wie eine fiebrig-psychedelische Sequenz auf einer Party oder die ekelhaft fleischige und morbide Krankenhausstimmung, die unter anderem auch die Ästhetik von Videospielen wie Silent Hill inspirierte, überaus markant im Gedächtnis.

Glücklicherweise verrennt sich der Regisseur aber nicht im Überschwang seiner Ideen, sondern findet letztendlich die richtigen Antworten, um einem eventuell unbefriedigenden Gefühl von Ahnungslosigkeit vorzubeugen. Jacob’s Ladder ist mysteriöser Horror, der atmosphärisch zum Teil an Filme von David Lynch, aber auch an Ken Russells Der Höllentrip (1980) erinnert. Nun stellt sich ernsthaft die Frage, warum Adrian Lyne nicht noch mehr Filme in diesem Genre gedreht hat, denn dass er es versteht, den Zuschauer die Angst seiner Charaktere spüren zu lassen, stellt er hiermit eindrucksvoll unter Beweis.

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