Dredd

Dredd

Comicverfilmungen in den 90er Jahren, das war so eine Sache. Damals wie heute erfreute sich das Genre zwar großer Beliebtheit, aber mit Joel Schumachers Beiträgen zum Batman-Universum, Batman Forever (1995) und Batman & Robin (1997), schien seinerzeit ein Tiefpunkt erreicht, was den Anspruch der Umsetzung anging. Umgeben von ebenfalls mäßigen Asterix-Filmen, Lucky Luke (1991) von und mit Terrence Hill, einem alles andere als empfehlenswerten Captain America (Albert Pyun, 1991) und den kultigen, aber mehr vom Nostalgie-Bonus, als durch tatsächliche Qualität profitierenden Turtles-Realverfilmungen, markieren sie eine Epoche, in welcher der comiclesende Kinogänger nicht unbedingt zu beneiden war. Keine Überraschung also, dass sich Judge Dredd (Danny Cannon, 1995) mit Sylvester Stallone  mühelos in die Reihe teurer, aber trashiger Machwerke einfügte.

Ob man nun wirklich jeden Stoff einer Neuinterpretation unterziehen muss und wie das immer häufigere Auftauchen von Remakes und Reboots zu bewerten ist, soll vorerst unkommentiert im Raum stehen. Tatsache ist jedoch, dass die Comics um den Polizisten, Richter und Henker in Personalunion namens Dredd förmlich nach einer filmischen Neubearbeitung schrien, die dem rauen, dystopischen Zukunfstszenario ihrer Vorlage gerecht wurde.

Mit dem letztes Jahr erschienenen Dredd versprach Regisseur Pete Travis, den Fans genau das bieten zu können, wonach sie sich gesehnt haben: Kompromisslose, brutale Action zwischen Gut und Böse in der gigantischen Metropolregion Mega-City One, einem grauen Moloch voller Armut und Kriminalität. Letztere nimmt überhand und kann nur durch die zugleich richtende und vollstreckende Elitepolizeieinheit der Judges bekämpft werden. Einer ihrer größten Veteranen ist Dredd (Karl Urban), der den Auftrag bekommt, in einem der größten Slums der Stadt einem riesigen Hochhauskomplex für Recht und Ordnung zu sorgen, denn in den oberen Stockwerken hat sich die skrupellose Drogenbaronin Ma-Ma (Lena Headey) breit gemacht. An Dredds Seite kämpft die junge, unerfahrene Rekrutin Cassandra Anderson (Olivia Thirlby), die den Judge mit ihren telepathischen Fähigkeiten unterstützen soll.

Was folgt, ist ein dynamisch inszenierter, erbitterter Kampf von Stockwerk zu Stockwerk mit jeder Menge Blei und Blut. Travis macht keinen Hehl daraus, die Handlung linear und actionlastig zu konzipiert zu haben. Emotionaler Tiefgang bleibt zwar auf der Strecke, die Identifikation mit den Figuren fällt schwer und hinterlässt den Zuschauer durchgehend distanziert, dafür aber glänzt Dredd mit einem wirklich coolen Design, starken Visual Effects und pumpendem Soundtrack. Der Anspruch ist nicht etwa wie im 1995er Judge Dredd, dem Charakter des Dredd vergeblicherweise mehr Tiefe zu verleihen, indem man ihn mit seiner Loyalität konfrontiert, in eine kitschige Liebesgeschichte verwickelt und über einen mehr als lächerlich-pseudokomischen Sidekick das Menschliche aus ihm herauszukitzeln versucht, sondern schlicht seine Stärken zu betonen: Dredd ist perfekt für den Kampf gegen das Verbrechen ausgebildet, folgt seinen Prinzipien und fackelt nicht lange. Man mag es Simplifizierung nennen, im Grunde ist es aber eine Rückbesinnung auf das, was die Figur und ihr Handeln ausmacht. Wo Sylvester Stallone vor gut 17 Jahren scheiterte, vermittelt Karl Urbans Auftreten eine überfällige Geradlinigkeit.

Auf der Gegenseite steht mit der Antagonistin Ma-Ma eine Figur von beeindruckender Grausamkeit, gewaltbereit und nicht weniger selbstsicher als der wortkarge Judge, der versucht, sie zu Fall zu bringen. Lena Headey überzeugt als vernarbte Drogenbaronin auf ganzer Linie und erzeugt eine ambivalente Ästhetik zwischen dem Hässlichen dieser Welt und der Schönheit des Augenblicks, hervorgerufen durch die Droge Slo-Mo, die für einige der schönsten Zeitlupenaufnahmen der letzten Jahre sorgt.

Wer dreckige Sci-Fi-Action sucht, die sich auf das Wesentliche konzentriert, liegt hier genau richtig. Es rummst und kracht gewaltig, es geht immer höher, immer härter und ohne lange Verschnaufpausen. Simpel, aber effektiv. Das macht Dredd zu einem sehenswerten, brutalen Spaß mit dem einzigen Anspruch, eben genau das zu sein und nichts weiter.

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2 Gedanken zu “Dredd

  1. Klingt irgendwie geil. Habe spontan zumindest Bock drauf. Interessant wäre noch der viel gezogene Vergleich zu „The Raid“. Den Stallone-Vorgänger kann man sich deiner Meinung nach aber sparen, oder?

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    1. Der „The Raid“-Vergleich kommt natürlich oft vor. Ich kann dazu aber leider nichts sagen, weil ich den Film noch nicht gesehen habe. Und ja, „Judge Dredd“ mit Stallone ist eben 90er-Trash. Wenn man sich dessen bewusst ist und den Film nicht ganz so ernst nimmt, wie er sich selbst, dann kann man sich den mal bei einem Bierchen ansehen. So wirklich empfehlen würde ich den allerdings trotzdem nicht.

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