Saya Zamurai

Saya Zamurai

Nach einer Mockumentary über einen mürrischen japanischen Helden, der zu Riesengröße anwächst und Tokyo vor trashigen Monstern beschützt und einem Film über einen Mann, der in einem weißen Raum eingesperrt ist und durch das Drücken von aus der Wand ragenden Statuenpenissen zufällige Gegenstände erhält, hat man sicher einen gewissen Ruf zu verlieren. Hitoshi Matsumoto lässt es sich nicht nehmen, nach Der große Japaner – Dainipponjin (2007) und Symbol (2009) auch in seinem dritten Spielfilm auf außergewöhnliche Ideen und seinen typischen Humor zu bauen, um eine tragikomische Geschichte über einen schwertlosen Samurai zu erzählen.

Ein Samurai ohne Schwert, der sich nicht dem Kampf stellt, gilt als beschämend. Das findet auch die kleine Tae (Sea Kumada), deren Vater Kanjuro (Takaaki Nomi) die Waffe abgelegt und seinen Meister im Stich gelassen hat. Der Grund, der ihn zum feigen Deserteur werden ließ: Der Tod seiner geliebten Frau. Ziellos streift er nun mit seiner Tochter durch das Land, auf der Flucht vor gierigen Kopfgeldjägern. Als er schließlich doch gefasst wird, gewährt ihm ein sonderbarer Fürst eine letzte Möglichkeit, dem Seppuku, dem rituellen Selbstmord zu entgehen. Dreißig Tage hat Kanjuro Zeit, den depressiven Fürstensohn, der seine Mutter verloren hat, zum Lachen zu bringen. Gelingt ihm dies nicht, muss er sich seiner gerechten Strafe stellen und sich das Leben nehmen.

Dreißig Versuche, etwas witziges anzustellen – eine ausgezeichnete Grundlage für Matsumoto, erneut seinen Einfallsreichtum unter Beweis zu stellen. Von bescheuerten Schauspieleinlagen und Grimassen über Hinderniskurse, die eine gewisse Ähnlichkeit zum beliebten TV-Format Takeshi’s Castle (Takeshi Kitano, 1986-1990) aufweisen, bis hin zu waghalsigen Stunts wie etwa der menschlichen Kanonenkugel, Kanjuros Bemühungen werden immer größer, immer verrückter und vor allem immer beliebter. Ist seine dreißigtägige Chance zunächst noch eine sehr private Angelegenheit im Hof des Schlosses, wird sie schon bald zur öffentlichen Attraktion, die sämtliche Bewohner der Stadt mitfiebern lässt. Trotz seines passiven, stoischen und wortkargen Gebarens, hat Kanjuro inzwischen alle Sympathien auf seiner Seite, inklusive der seiner Tochter Tae, die ihren Vater anfangs noch wiederholt darum bat, der Schande ein Ende zu bereiten und sich umzubringen.

Obwohl sich Saya-zamurai der Stilmittel einer wirklich schönen Feel-Good-Komödie bedient, schwebt über allem Spaß auch die tragische Prämisse, die vielleicht teils sogar ein wenig zu abrupt zum Vorschein kommt. Mit jedem Tag, an dem Kanjuro daran scheitert, den Fürstensohn zum Lachen zu bringen, dürfen wir uns einerseits auf eine neue lustige Szene am Folgetag freuen, andererseits wird die Zeit immer knapper; ein fatales Ende droht. Das sorgt zwangsläufig für gemischte Gefühle, aber eben auch für steigende Spannung.

Fans der bisherigen Filme von Hitoshi Matsumoto kommen auch mit Saya-zamurai auf ihre Kosten. Wer sich nun aber nicht ganz sicher ist, was er von den verrückten Ideen des Regisseurs halten soll oder sogar die beiden anderen Filme Matsumotos nicht ganz so gelungen findet, darf trotzdem einen Blick riskieren, denn die Geschichte um den Samurai Kanjuro ist letztlich doch ein bisschen geradliniger, weniger verkopft und schlicht zugänglicher als sein bisheriges Schaffen.

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