Masks

Masks

Am Anfang seiner Karriere, in den achtziger Jahren, war Andreas Marschall vor allem als Illustrator für die Plattencover zahlreicher Metalbands tätig. Ab 1991 beschäftigte er sich mit Regie und Schnitt für Musikvideos, Werbespots und Kurzfilme. 2004 drehte er schließlich sein Langfilmdebüt, den Horrorfilm Tears of Kali. Satte sieben Jahre später meldete er sich mit Masks zurück, einer Liebeserklärung an das italienische Giallo-Genre.

Stella (Susen Ermich) ist eine angehende Schauspielerin, doch bisher hat ihr das Vorsprechen an verschiedenen Schauspielakademien nichts als Absagen eingebracht. Auf den Rat eines Jurymitglieds hin, das Mitleid mit der verzweifelten, jungen Frau empfindet, versucht sie ihr Glück nun an der privaten Matteusz-Gdula-Schule. Der mysteriöse Gründer dieser Schule hatte, bevor er zu Tode kam, einst nach einer speziellen Methode unterrichten lassen, die den Schülerinnen und Schülern – vorsichtig ausgedrückt – so einiges abverlangte. Zwar findet Stella im abweisenden Umfeld ihrer Schauspielkollegen eine Freundin in Cecile (Julia Witt) und beginnt, sich einzuleben, muss jedoch bald feststellen, dass diese ganz besondere, unmenschliche Methode nicht mit dem Ableben Matteusz Gdulas ihr Ende fand. Sie wird immer noch praktiziert und sie fordert weitere Opfer.

Der italienische Giallo stand in den siebziger Jahren für tödliches Spannungskino, für stilvolle Thriller mit Horroranleihen um mysteriöse Mordserien, meist an attraktiven, jungen Frauen. Nachdem das Genre für mehrere Jahrzehnte von der Bildfläche verschwunden war, versuchten nun in der jüngeren Vergangenheit, mehrere Filmemacher, diese ästhetisch einprägsame Form des Thrillers wiederzubeleben. Während Filme wie Amer (Hélène Cattet & Bruno Forzani, 2009) und Berberian Sound Studio (Peter Strickland, 2012) aufgrund ihres experimentellen Charakters allerdings eher so etwas wie Meta-Gialli sind, sozusagen ausgezeichnete Stilübungen und Studien zum Genre, bewegt sich Marschall mit Masks auf klassischerem Giallo-Terrain. Hierbei dienen selbstverständlich Regiegrößen wie Mario Bava und Dario Argento als unmittelbare Inspirationsquellen.

Dass dadurch ein Film entsteht, der sich mit seinem detailverliebten Setdesign, der stimmungsvollen Musik und einem tollen Zusammenspiel von Licht und Kamera mit fast schon spielerischer Leichtigkeit in die Ästhetik der italienischen Vorbiler einreiht, ist in einem Land wie Deutschland, in dem Genrefilme einen mehr als nur schweren Stand haben, umso erstaunlicher. Ganz ohne Fördermittel realisierte Marschall seine Vision von einem modernen Giallo. Die traditionellen Morde werden brutal inszeniert, durch ihre Dynamik und Eleganz geraten sie jedoch nie auch nur in die Nähe eines Gore- oder Splatterhorrors, der seine Tötungsszenen zelebriert hätte. Masks bewahrt sich viel Stil und mindestens ebenso viel Spannung.

Einen Vorwurf muss sich der Regisseur dennoch gefallen lassen: Bei aller Liebe zum Genre und den großartigen Ursprüngen, läuft Masks Gefahr, an manchen Stellen Hommage um der Hommage Willen zu sein und hätte ein wenig mehr Mut zu eigenen Ideen zeigen dürfen. Bereits wenn die Protagonistin zum ersten Mal an der ominösen Schule ankommt und eine andere junge Frau völlig aufgelöst aus dem Gebäude fliehen sieht, ist die Anspielung an Suspiria (Dario Argento, 1976) nicht zu übersehen. Es bleibt nicht bei einer einzigen bewussten Ähnlichkeit. Aber auch wenn Marschalls Motivation eine löbliche Wertschätzung ist, so wirken mitunter einige Handlungselemente dem Vorbild entliehen und nur geringfügig verändert. Angesichts des letzten Endes doch sehr zufriedenstellenden Ergebnisses, ist dies allerdings ein Makel, der nicht allzu stark gewichtet werden muss.

Masks ist nämlich eine zeitgemäße Bereicherung für das Genre, in die viel Herz- und Kunstblut geflossen ist. Inmitten einer Filmkultur, in der Genrebeiträge leider fast ausnahmslos im B-Movie-Sumpf versinken, ist das eine bemerkenswerte Leistung, die völlig zu Recht mit mehreren internationalen Auszeichnungen belohnt wurde.

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