Demon City Shinjuku

Demon City Shinjuku

Die 80er Jahre bezeichnet man auch gerne als das „Goldene Zeitalter“ des Anime. In Japan wurden viele der heute großen Animationsstudios gegründet, eine neue Fan-Subkultur bildete sich und über Veröffentlichungen auf Videokassetten gewann der japanische Zeichentrickfilm auch in der westlichen Welt an Popularität. Filme wie Akira (Katsuhiro Ōtomo, 1988) und Serien wie Dragonball (1986, Akira Toriyama) entstanden zu dieser Zeit und gelten heute als Anime-Meilensteine. Auch Yoshiaki Kawajiris Demon City Shinjuku ist ein Film dieses Jahrzehnts, wenngleich er eher zur weniger bekannten, oftmals übersehenen Sorte gehört.

Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Hideyuki Kikuchi, behandelt der Anime die Geschichte eines jungen Mannes namens Kyouya (Hideyuki Hori), der sich gemeinsam mit der Präsidententochter Sayaka (Hiromi Tsuru) in das von Dämonen befallene Tokyo begibt, um den Urheber der Katastrophe und Mörder seines Vaters, Rebi Ra (Kiyoshi Kobayashi) zu vernichten. Dabei stößt er auf zweifelhafte Menschen und groteske Monstrositäten, die sein Vorhaben erschweren.

Wer nun der Meinung ist, die Handlung klinge recht banal, der hat vollkommen Recht. Demon City Shinjuku verlässt sich plottechnisch auf ein simples Schema. Als Actionfilm mit Horrorelementen gleichen die Geschehnisse in ihrer Struktur am ehesten einem Videospiel, in dem ein Bosskampf auf den nächsten folgt. Auch die Charaktere fügen sich von Anfang an in ihre vorgesehenen Rollen und machen bis zum Schluss keine Entwicklung durch. Kyouya ist der tapfere Held, Sayaka das mehr oder weniger hilflose Mädchen und Rebi Ra ist unzweifelhaft der gewissenlose Oberschurke.

Die Stärken des Films stecken also gar nicht im Inhalt per se, sondern mehr in seiner Präsentation. Das postapokalyptische Tokyo mit seinen in Ruinen liegenden Wolkenkratzern, umherirrenden Seelen und finsteren Gefahren ist als Setting ganz besonders gelungen. Als isolierte, geheimnisvolle, nihilistische Umgebung wird die Dämonenstadt zum eigentlichen Star dieses Films. Das Herzstück sind natürlich die titelgebenden Dämonen selbst. Immer wenn Kyouya auf eines dieser Monster trifft, entfaltet sich die surreale Kraft des Films. Eine Abscheulichkeit folgt auf die nächste und kommt mit ihrem ganz eigenen, furchteinflößenden Design daher. Die daraufhin unvermeidbaren Kämpfe sind gekonnt inszeniert, denn die detailreichen, handgezeichneten Bilder können sich absolut sehen lassen. Aufgrund der schaurig homogenen Ästhetik einer gottverlassenen, hoffnungslosen Welt, in der Kreaturen des Bösen regieren, übt Demon City Shinjuku in Sachen Atmosphäre einen ganz besonderen Reiz aus. Da ist es auch ein Stück weit verzeihlich, dass die Handlung in ihrer Einfachheit zur bloßen Basis für die actionreichen Auseinandersetzungen verkommt und dass der Soundtrack an manchen Stellen ein wenig unpassend erscheint.

Lässt man sich also auf die Dämonenstadt als faszinierendes Setting ein, bekommt man einen ordentlichen Actionfilm geboten, dessen visuelle Gestaltung in der Lage ist, inhaltliche Schwächen auszugleichen. Dennoch hätte etwas mehr Tiefe selbstverständlich nicht geschadet, im Gegenteil, angesichts der interessanten Welt, die hier erschaffen wurde, ist es bedauerlich, dass das Potential nicht vollends genutzt wurde. Nichtsdestotrotz ist Demon City Shinjuku ein stimmungsvoller, kurzweiliger Film für Animefans.

Advertisements

Kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s