A Field in England

A Field in England

Ein minimalistisches Midnight Movie über fünf Männer, die durch ein lichtes Feld stapfen – warum eigentlich nicht? Ben Wheatley ist längst ein Name, der für außergewöhnliches britisches Kino der Gegenwart steht. Da überrascht es wenig, dass der Regisseur, der mit Kill List (2011) eine Mischung aus Auftragskillerthriller und Psychohorror drehte und in Form von Sightseers (2012) eine schwarzhumorige Romanze über ein mordendes Pärchen auf den Zuschauer losließ, sich nun an einen psychedelischen Trip im kammerspielartigen Historienfilmgewand wagt.

1648. Der englische Bürgerkrieg tobt, doch der Gelehrte Whitehead (Reece Shearsmith) und drei Soldaten ergreifen die Flucht. Abseits der Schlacht schlagen sie sich als Deserteure durch das hohe Gras. Als sie auf den irischen Alchemisten O’Neil (Michael Smiley) treffen, zwingt dieser die Gruppe, nach einem mystischen, vielleicht sogar magischen Schatz zu suchen, der sich irgendwo auf diesen Feldern befinden soll.

Wer sich auf eine umfassende Betrachtung der historischen Gegebenheiten Englands in dieser konfliktreichen Zeit einstellt, wird enttäuscht. Vor dem Hintergrund des nur am Rande spürbaren Bürgerkriegs entfaltet Wheatley mit seinem kleinen Cast eher ein minimalistisches Kammerspiel im Freien. Fünf Männer, zwischen krudem Humor und antiquierter Ausrucksweise, auf einer merkwürdigen Reise, die vor allem für Protagonist Whitehead zur Selbstfindung und -bestimmung führt. Stilistisch bewegt sich A Field in England zum Teil irgendwo zwischen Alejandro Jodorowsky und Ingmar Bergman. Die klare Kameraführung wird immer wieder von bewegungslosen Tableaus, die an Gemälde erinnern, und später von immer schneller werdenden Zwischenschnitten durchbrochen, um die Schwarz-Weiß-Bilder symbolisch aufzuladen. Die Handlung  – oder besser ihre Tragweite – bleibt zunächst kryptisch und tritt spätestens dann, wenn Whitehead auf bewusstseinserweiternde Pilze stößt, vom bloßen physischen Gehalt in die metaphysische Ebene hinüber.

Dass ein solcher Film, der sich ganz bewusst dem Experimentellen hingibt, nur eine vergleichsweise kleine Anhängerschaft anspricht, ist nicht überraschend. Dem unbedarften Kinogänger ist A Field in England von daher nur sehr eingeschränkt zu empfehlen, Liebhaber provokativer Avantgarde hingegen dürfen sich auf einen stimmungsvollen Trip inklusive schwarzer Magie und psychoaktiven Substanzen gefasst machen. Ben Wheatley hat mit seinen vorherigen Filmen bereits angedeutet, seine künstlerischen Visionen ungeachtet massentauglicher Konzepte verwirklichen zu wollen; A Field in England ist die logische Konsequenz: Sein bisher radikalstes Werk.

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