Uzumaki

Uzumaki

Lässt sich ein Manga adäquat mit realen Darstellern verfilmen? Schwierig, aber nicht unmöglich. Filme wie der Exploitation-Klassiker Lady Snowblood (Toshiya Fujita, 1973) haben es vorgemacht: Ein paar inhaltliche Änderungen hier und da lassen sich durchaus in Kauf nehmen, solange die Atmosphäre stimmt. Vermittelt die Adaption das gleiche „Feeling“ wie die Vorlage, ist das bereits ein gutes Zeichen. Mit Uzumaki nahm sich Regisseur Higuchinsky vor vierzehn Jahren ein sehr ambitioniertes Projekt vor, denn schließlich ist der Horrormanga von Junji Ito ein ganz besonders grotesker Alptraum, der sich eigentlich nur schwer in bewegte Bilder umsetzen ließe.

Uzumaki bedeutet auf deutsch so viel wie „Spirale“ – und genau darum geht es prinzipiell auch. Ein kleines japanisches Dorf wird von einer unheimlichen Faszination für Spiralen heimgesucht. Was für die Oberschülerin Kyrie (Eriko Hatsune) zunächst noch merkwürdig, aber harmlos beginnt, wenn sie beobachtet, wie der Vater ihres Freundes Schnecken filmt und ihre Klassenkameradin mit einer eigenartigen Lockenfrisur herumstolziert, wird schon bald zum verstörenden Wahnsinn, dem jeder ihrer Mitmenschen verfallen zu sein scheint. Wie ein dunkles Omen schwebt die spiralförmige Wolkenformation über dem Ort, dessen Bewohner sich nach und nach transformieren. Die Knochen brechen und die Körper winden sich, dem Gebot der Spirale gehorchend.

Im Subgenre japanischer Horrorfilme ist Uzumaki schon ein sehr auffälliger Vertreter. Entgegen der üblichen Motive geisterhafter Schulmädchen und abgeschmackter Flüche, dreht sich hier – wörtlich – alles um Spiralen. Abstrakter geht es kaum, aber genau diese merkwürdige Prämisse übt auch einen gewissen Reiz aus. Ebenso hilflos wie die Protagonistin muss der Zuschauer mitansehen, wie ausnahmslos alles beginnt, brutal dieser Form zu folgen und man fragt sich immer wieder, ob es noch abgefahrener geht. Der Film beantwortet dies mit ja; er konfrontiert seine Figuren mit immer grausameren und verrückteren Todesarten. Worauf er hingegen höchstens in vagen Andeutungen eingeht, sind Ursachen für dieses schreckliche Phänomen. Statt eine umfassende Backstory zu liefern, bleibt er von Anfang bis Ende irrer, unergründlicher Terror.

Kommt man auf die Eingangsfrage nach der angemessenen Adaption zurück, lässt sich feststellen: Den Umfang und den Einfallsreichtum der Mangavorlage erreicht Uzumaki aufgrund seines knappen Budgets nicht ganz. Wandelt sich im gezeichneten Werk noch das gesamte Dorf in seiner Architektur schließlich zum spiralförmigen Labyrinth, beschränkt sich Higuchinskys Film auf die menschlichen Körper. Und auch hier konnte er zwar nicht alle Ideen unterbringen, doch die furchterregende Wirkung dieses Horrorszenarios gelingt ihm recht ähnlich. Mit seinen aufdringlichen Kameraperspektiven und Bildern, die von einer fremdartig grünen Farbpalette dominiert werden, erschafft er das Gefühl einer isolierten Welt, die sich immer weiter um sich selbst in einen Abgrund dreht, aus dem es kein Entkommen gibt. Uzumaki ist ein herrlich origineller Spiralenwahnsinn. Abstrakter Horror fernab von Klischees und Sehgewohnheiten.

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