Spring Breakers

Spring Breakers

Es ist schon ein Phänomen: Immer dann, wenn die amerikanischen Universitäten im Frühling in ihre wohlverdienten Semesterferien gehen, machen sich unzählige Studierende auf, an warmen Stränden dem Alkohol und der sexuellen Freizügigkeit in wilden Massenpartys zu frönen. Das nennt sich dann Spring Break und ist als Begriff längst über die Vereinigten Staaten hinaus bekannt. Dem bunten Treiben widmete Harmony Korine seinen neuesten Film, doch vielleicht so ganz anders, als sich so manch unbedarfter Zuschauer gedacht haben mag.

Der passend betitelte Spring Breakers handelt von den vier College-Freundinnen Faith (Selena Gomez), Cotty (Rachel Korine), Brit (Ashley Benson) und Candy (Vanessa Hudgens), die von ihrem monotonen Alltag die Schnauze voll haben und sich deshalb mit einem kleinen Überfall die Reise nach Florida finanzieren, um dort ihre Ferien mit endlosem Partyspaß zu verbringen.
Im Laufe des Spring Breaks wird eine der Partys von der Polizei gestürmt. Die vier Mädchen werden wegen Drogenkonsums festgenommen. Doch nicht lange danach werden sie wieder freigelassen, da ein Gangster namens Alien (James Franco) ihre Kaution bezahlt hat. Von seinem dekadenten Lebensstil fasziniert, lassen sich die Mädchen auf ihn ein und steigen in sein kriminelles Milieu hinab.

All jene junge Kinogänger, die sich nach den ersten Trailern auf einen spaßigen Partyfilm gefreut hatten, wurden recht bald mit der erschütternden Realität konfrontiert, nämlich, dass Korines Film alles andere ist, als eine Huldigung der ausufernden Spring-Break-Kultur. Ganz im Gegenteil: Spring Breakers ist ein schonungsloser Abgesang auf die Degeneration der amerikanischen Jugend. Ihm steht nicht der Sinn danach, den Drang nach der ultimativen Party zu befriedigen, sondern den sinnlosen Exzess und die graduelle Selbstzerstörung aufzuzeigen. Die Kameraarbeit von Benoît Debie, dessen rauschhafte Bilder bereits Enter the Void (Gaspar Noé, 2009) zu einem audiovisuellen Erlebnis der ganz besonderen Art machten, sorgt für alles andere als Wohlbefinden. Aufdringliche Einstellungen und kurze Schnitte lassen uns eingeengt und orientierungslos zurück. Der so beliebte Spring Break, in dem mit Alkohol, Drogen und Brüsten nicht gespart wird, entpuppt sich in dieser Form als destruktive Widerwärtigkeit, die sich dem Zuschauer deutlich schneller offenbart als den naiven Protagonistinnen.

„Spring Break forever, bitches!“

Diese Mädchen, vom scheinbar ewigen Spaß, vom freien, unbedarften Leben wie gefangen, finden Gefallen an Alien, der mit seinen teuren Habseligkeiten protzt. Drogen, Waffen und schnelle Autos versprechen ein unabhängiges Dasein ohne Pflichten, ohne Konsequenzen. Eingelullt von Aliens bizarrem Charme und all dem teuren Scheiß, zu dem sie nicht „Nein“ sagen möchten, werden sie Teil seiner Pläne, die tatsächlich in gefährliche Bandenkonflikte münden. James Franco, das muss angemerkt werden, spielt seine Rolle als manipulativer, aber bisweilen fast auch schon wieder lächerlicher, von sich selbst überzeugter Gangster hervorragend und ist allein aufgrund seines markanten Äußeren bereits kaum wiederzuerkennen. Hypnotisch und beängstigend zugleich!

Trotz der vielen bunten Farben ist Spring Breakers eine finstere Satire auf den Rausch, den Exzess und die Dekadenz des Spring Breaks und seiner partysüchtigen amerikanischen Jugend, die sich nicht um die Auswirkungen ihres Handeln schert und die nicht bemerkt, dass ihre neonbeleuchtete, alkoholgetränkte Utopie nichts weiter als ein grinsender Luftballon ist, der kinderleicht zum Platzen gebracht werden kann.

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