The Fountain

The Fountain

Heute feiert Darren Aronofsky seinen 45. Geburtstag, Regisseur von Filmen wie dem surrealen Psychothriller Pi (1998) und dem intensiven Suchtdrama Requiem for a Dream (2000). Auch aktuell wartet man entweder gespannt oder skeptisch auf seine kommende bibelinspirierte Comicverfilmung Noah (2014). Bereits im Jahr 2006 wagte sich Aronofsky an ein ambitioniertes Projekt, das mit großen Schauwerten eine Geschichte über Leben und Tod, Unsterblichkeit, Wiedergeburt und Liebe erzählen sollte: The Fountain.

Aronofskys Science-Fiction-Film gliedert sich in drei mehrere Jahrhunderte umspannende, miteinander verwobene Handlungsstränge: Um seine Königin vor dem Tod zu bewahren, sucht der spanische Conquistador Tomás im Jahr 1535 nach dem Baum des Lebens. Im Jahr 2035 versucht der Wissenschaftler Tommy mittels eines Pflanzensekrets aus Guatemala seine an einem Hirntumor erkrankte Frau Izzy zu heilen. Und im Jahr 2500 reist Tommy in einer Blase durch die Raumzeit dem sterbenden Stern Xibalbá entgegen, in der Maya-Mythologie das Jenseits und ein Ort der Wiedergeburt.

Sämtliche Inkarnationen des Protagonisten werden dabei von Hugh Jackman verkörpert, während stets Rachel Weisz in die Rolle seiner Liebsten schlüpft, denn die drei Handlungsstränge sind alles andere als separate Realitäten. Oft auch bildsprachlich symmetrisch, gehen sie fließend ineinander über und sind letztlich nur verschiedene Facetten des gleichen Motivs von der Suche nach einem Mittel, den Tod zu überwinden. Diese Sprünge in Zeit und Raum und, ja, Wirklichkeit verleihen The Fountain eine narrative Komplexität, die es dem Zuschauer nicht immer einfach macht. Dadurch dass Aronofsky so einige Bezüge andeutet, anstatt sie auszuformulieren, bietet The Fountain ein interessantes Interpretationspotential, zugleich aber ohne an innerer Geschlossenheit einzubüßen, denn: In allen drei Handlungssegmenten stellt der Regisseur sicher, dass der Kern seiner zahlreichen Bedeutungsebenen erfassbar bleibt.

Eingangs als ambitioniertes Projekt bezeichnet, sollte The Fountain ursprünglich bereits mehrere Jahre zuvor mit einem Budget von über 70 Millionen Dollar und Brad Pitt, sowie Cate Blanchett in den Hauptrollen realisiert werden. Differenzen legten das Projekt jedoch vorerst auf Eis, bis es schließlich Ende 2004 erneut aufgenommen wurde, dieses Mal allerdings deutlich knapper finanziert für nur etwa die Hälfte des Geldes. Umso erstaunlicher ist es rückblickend, dass sich Aronofsky nicht beirren ließ und seine Vision dennoch umzusetzen wusste. Daraus erwuchs eine tragische Science-Fiction-Geschichte, deren audiovisuelle Gestaltung ruhigen Gewissens als majestätisch bezeichnet werden darf.
Farblich eint die verschiedenen Handlungsstränge eine dominante, doch edle goldene Ausleuchtung nahezu jeder Szene, die sich speziell in den transzendentalen Sequenzen mit Tommy in seiner Blase voll entfalten. Für die Spezialeffekte konnte Aronofsky nicht wie einst geplant auf teure CGI zurückgreifen. Doch er machte aus der Not eine Tugend: Statt aus dem Computer stammen die mäandernden, fast greifbar scheinenden Lichtformationen aus Aufnahmen chemischer Reaktionen unter dem Mikroskop betrachtet.
Musikalisch sorgt Clint Mansell mit seinen meisterhaften Kompositionen – allen voran das zentrale Stück Death is the Road to Awe – dafür, dass der Film in allen drei Ausprägungen seiner Handlung die erwünschte emotionale Kraft entwickelt, sich mit dieser Energie förmlich immer weiter auflädt, um sich schlussendlich in einem ehrfurchtgebietenden finalen Augenblick zu entladen und den Zuschauer sprachlos zurückzulassen.

The Fountain ist ein glänzender, Raum und Zeit überwindender Monolith, der jedoch trotz seiner esoterischen Atmosphäre und seiner mythologisch-religiösen Symbolik, in den wichtigen Belangen weit weniger unzugänglich ist, als er zunächst möglicherweise den Anschein erweckt. Es ist ein Film über eine Liebe, die der Tod zu scheiden droht und einen Mann, der das Unmögliche versucht, ein Film über Hoffnung, Sehnsucht, aber auch die Fähigkeit, loslassen zu können. Darren Aronofsky hatte sich viel vorgenommen. Zeitlos wie seine Thematik, sind auch die Stärken von The Fountain; formal und inhaltlich die größte Errungenschaft des Regisseurs. In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Darren, und darauf, dass noch viele weitere Kunstwerke folgen.

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