Millennium Mambo

Millennium Mambo - FilmplakatNoch einige Jahre bevor der Mensch sich in sozialen Netzwerken wie Facebook verlor, schuf der taiwanesische Regisseur Hsiao-hsien Hou eine Geschichte über interpersonelle Entfremdung in einer von Technologie dominierten, urbanen Neonwelt. Das Taipeh der Jahrtausendwende, farbenfroh und doch so leer: Millennium Mambo.

Vicky (Shu Qi) steckt fest. Arbeitslos bewegt sie sich melancholisch von Party zu Party ohne ein konkretes Ziel vor Augen. Ihre Beziehung zu ihrem kontrollsüchtigen Freund Hao-Hao (Chun-hao Tuan) ist eine Sackgasse. Doch auch wenn sie nichts mit ihrem Leben anzufangen weiß, ist sie sich sicher, dass es so nicht weitergehen kann und lässt sich auf den etwas älteren, aber sympathischen Gangster Jack (Jack Kao) ein. Um dieser Leere zu entkommen, führt ihr Weg schließlich sogar bis nach Japan.

„Wenn ich meine jungen Freunde um mich herum betrachte, bemerke ich, dass sich ihr Zyklus und Rhythmus von ‚Geburt, Alter, Krankheit und Tod‘ um ein Vielfaches schneller bewegt, als bei meiner Generation“, sagt Hou zum Thema. Die Erzählstimme aus dem Off – Vicky, zehn Jahre älter, von sich in der dritten Person sprechend, – macht es kenntlich: Die Vergangenheit, so nah und doch so fern, wirkt wie ein Relikt aus einer Zeit, die so weit zurückliegt, dass sie fremdartig erscheint, wie ein fiebriger Traum. Das Leben zwischen Drogen, Sex und Diskotheken ist ein Umherirren auf der Suche nach Befriedigung, nach Erfüllung, die nicht in Reichweite zu sein scheint. Eine Wahrheit, die auch auch Vicky ernüchtert feststellen muss.

Selten wurde die Paralyse der postmodernen Gesellschaft in schöneren Bildern eingefangen. Hou schuf eine rhythmische Ästhetik, die dank der hervorragenden Aufnahmen von Kameramann Mark Lee Ausdruck in jeder Sequenz findet. So statisch Vickys Dasein auch sein mag, die Kamera bewegt sich, gleitet durch die Welt und sucht die Nähe. Der überwiegende Gebrauch von Close-Ups verleiht dem Film die nötige Intimität, die Menschlichkeit in der Kraft seiner Bildsprache.

Eine traurige Sehnsucht nach Stabilität und Verbundenheit, eingerahmt in eine wunderschöne Eröffnungssequenz, in der die Kamera Vicky über eine neonbeleuchtete Straßenbrücke folgt und eine abschließende Fahrt durch das verschneite Japan, an Plakaten alter Filme entlang. Millennium Mambo ist der Spiegel einer Generation im Stillstand.


Oritinaltitel: Qian Xi Man Po
Regie: Hsiao-hsien Hou
Drehbuch: T’ien-wen Chu
Produktionsland: Taiwan, Frankreich
Produktionsjahr: 2001

Copyright der Bilder: Palm Pictures

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