The Man From Nowhere

The Man from Nowhere - FilmplakatKoreas Liebe für packende Thriller ist ungebrochen. So ließ Lee Jeong-beom 2010 mit seinem zweiten Spielfilm, The Man From Nowhere, die nationale Konkurrenz hinter sich. Der erfolgreichste koreanische Film des Jahres begeisterte das Publikum mit satter Action, einer emotionalen Geschichte und dem aufstrebenden Star Won Bin – zuvor unter anderem in Mother (Bong Joon-ho, 2009) zu sehen –  in der Hauptrolle.

Eigentlich geht Tae-sik (Won Bin) nur seiner Tätigkeit als zurückgezogener, unscheinbarer Pfandleiher nach, doch als seine Nachbarin an Drogen gelangt, die ihr nicht gehören und sich auf diese Weise mit einem mächtigen Kartell anlegt, kann er nicht mehr nur zusehen. Die Frau wird mitsamt ihrer Tochter (Kim Sae-ron) entführt. Um sie zu befreien ist Tae-sik gezwungen, eine Lieferung zu übernehmen, die ihm die Gangster diktieren. Schnell wird klar, dass das Wort der Drogenbosse nicht viel Wert ist. Tae-sik muss nun handeln und den selbstsicheren Kriminellen brutal bewusst machen, dass sie sich nicht mit einem gewöhnlichen Pfandleiher angelegt haben.

The Man From Nowhere vereint sämtliche Zutaten, die ihn als Actionthriller schmackhaft machen. Die Auseinandersetzungen sind rasant. kompromisslos und absolut stilsicher inszeniert. Die Feuergefechte und Handgemenge erreichen eine hohe Intensität, ohne je an Authentizität einzubüßen; das sieht gut aus, das sieht realistisch aus und es macht Spaß, mitanzusehen, wie Tae-sik austeilt. Fans von Filmen wie 96 Hours (Pierre Morel, 2008) kommen auf ihre Kosten, vielleicht auch nicht zuletzt, weil sich Lees Thriller stark an einer Hollywoodästhetik orientiert, die natürlich besonders dem westlichen Publikum alles andere als fremd ist. Nun ist es kein Geheimnis, dass sich das Kino Südkoreas von amerikanischer Bildsprache inspirieren lässt, doch The Man From Nowhere wirkt – was erst einmal kein Vorwurf sein muss – deutlich „unkoreanischer“ als die bekannte Genrekonkurrenz Oldboy (Park Chan-wook, 2003), A Bittersweet Life (Kim Jee-woon, 2007) und The Chaser (Na Hong-jin, 2008).

Lee Jeong-beom hat seinen Film also etwas stromlinienförmiger gestaltet. Das schmälert das Seherlebnis allerdings keineswegs. Die emotionale und moralische Verbindung zum Zuschauer mag zudem kalkuliert sein, bleibt aber bis zum Schluss effektiv, besonders dann, wenn sie dem ein oder anderen Charakter noch eine weitere Facette verleiht, mit der man vielleicht nicht unbedingt gerechnet hat. Auch die Motivation des Protagonisten ist vielschichtiger als es zunächst den Anschein erweckt. Zwischen den kompromisslosen Actionsequenzen, die sich mit drastischer Gewaltdarstellung nicht zurückhalten, den dramatischen Augenblicken, in denen Plot und Figuren unsanft aneinander geraten und den ruhigen, fast nachdenklichen Verschnaufpausen findet The Man From Nowhere genau den richtigen Rhythmus, der Filmfans von ganz verschiedener Ausprägung anzusprechen vermag.


Originaltitel: Ajeossi
Regie: Lee Jeong-beom
Drehbuch: Lee Jeong-beom
Produktionsland: Südkorea
Produktionsjahr: 2010

Copyright der Bilder: Splendid Film

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