The Raid

The Raid FilmplakatEin indonesischer Actionfilm von einem walisischen Regisseur mit dem überschaubaren Budget von umgerechnet etwa einer Million Dollar erzeugt einen wahren Hype. Unerwartet, ja sogar obskur, aber auch gerechtfertigt? Kann so ein kleines Projekt seiner Genrekonkurrenz überhaupt das Wasser reichen? Antwort: Aber hallo, noch viel mehr als das!

The Raid, 2011 von Gareth Evans mit viel Hingabe gedreht, ist nichts geringeres als das ultimative Actionspektakel schlechthin. Der dünne Plot dreht sich um eine Polizei-Spezialeinheit, die ein von Verbrechern kontrolliertes Hochhaus stürmt, um den Kopf der kriminellen Bande auszulöschen. Das internationale Poster wirbt mit dem Slogan „1 Ruthless Crime Lord, 20 Elite Cops, 30 Floors of Hell“ und genau darum geht’s. Die Einführung hält sich nicht lange mit Vorgeplänkel auf, denn nach kurzer Einsatzbesprechung im Truck geht es für die Polizisten um Protagonist Rama (Iko Uwais) auch schon zur Sache. Stockwerk um Stockwerk müssen sie sich durch wahre Gegnerhorden nach oben kämpfen.

Dass dieser kurze Storyanriss höchstens auf eine ziemlich einfach gestrickte, zweckmäßige Handlung schließen lässt, ist richtig vermutet. Evans‘ Film legt den Fokus ohnehin nicht intensiver auf seine Figuren. Warum aber hebt sich dieser Film dann von diversen Hollywoodblockbustern ab, die ebenfalls auf simpel erzählte Actionspektakel setzen? Die Inszenierung ist der Schlüssel. Nicht nur, dass der Regisseur seinem Ideenreichtum Ausdruck verleiht, indem er Polizisten und Gangster mit Maschinengewehren, Äxten, Messern, Macheten oder schlicht Schlägen und Tritten aufeinander loslässt, nein auch Kameraführung und Montage der einzelnen Sequenzen lassen die Herzen von Actionfans höher schlagen. Die Grundlage der vielen Handgemenge ist eine Reihe indonesischer Kampfkünste, die man unter dem Namen Pencak Silat zusammenfasst. Die schnellen Kombinationen von geschicktem, aber gleichsam wuchtigem Hand- und Fußeinsatz werden zu ästhetisch durchchoreografierten Sequenzen, die Evans nie bloß mit schnellen Schnitten und wackeliger Kamera nur andeutet, sondern höchstens für Perspektivwechsel sachte schneidet. So bleiben die Kämpfe ein erfahrbares Ganzes, bei dem der Zuschauer nie den Überblick verliert. Die Darsteller mit Kampfsporthintergrund tun ihr übriges, um die Geschwindigkeit und Brutalität in jedem Tritt und in jedem Hieb spüren zu lassen.

Besonders deutlich wird das in einem packenden Dreikampf, an dem Yayan Ruhian als wahnsinniger, kampfeslustiger Mad Dog zeigt was in seiner ganzen Silat-Erfahrung steckt. In diesem Moment kommt die Martial-Arts-Kompetenz von The Raid zur völligen, knallharten Entfaltung. Vorstellen darf man sich das stilitisch übrigens keinesfalls wie das chinesische Kung Fu oder das japanische Aikido. Hier stehen weniger schnelle Blocks oder Würfe im Vordergrund – wenngleich sie ebenfalls vorkommen – sondern plötzliche, kraftvolle Angriffskombinationen, bei denen man neben seinen Gliedmaßen auch gerne ab und an Gebrauch von scharfen Waffen macht.

Wo die Action bei manchen Filmen trotz inhaltlicher Relevanz nur wie eine lästige Pflichtübung inszeniert wird, geht Gareth Evans in seinem Projekt richtig auf und verweist die Konkurrenz, die gegen The Raid dann oftmals doch eher wie eine kleine Schulhofprügelei wirkt, gnadenlos in die Schranken. Die Liebe zu einer brutalen Dynamik und der unübersehbare Drang, bestmögliche Kampfszenen wie einen mörderischen, ekstatischen Tanz zu komponieren, kulminieren zum filmischen Äquivalent eines heftigen Faustschlags mitten in die Fresse!


Originaltitel: Serbuan Maut
Regie: Gareth Evans
Drehbuch: Gareth Evans
Produktionsland: Indonesien, USA, Frankreich
Produktionsjahr: 2011

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3 Gedanken zu “The Raid

  1. Besser kann man es nicht formulieren! Auch wenn ich den Endkampf etwas ermüdend empfand (kann natürlich auch an der pure Adrenalin- & Testosteronausschüttung gelegen haben), so ist der Film ob seiner Brachialität einfach ein äußerst sehenswertes Brett, das eindrucksvoll beweist, dass es auch mit papierdünner Story geht. Mir tut jetzt noch alles weh, wenn ich an den Film zurückdenke.

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    1. Danke. :)
      Gut, ich war wohl so sehr im Film drin, dass ich keine Ermüdungserscheinungen hatte, aber möglicherweise ändert sich das bei weiteren Sichtungen irgendwann. Keine Ahnung, aber selbst wenn dem so wäre, bleibt’s ja immer noch ein echter Kracher.

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