King of Thorn

King of Thorn

Dass beliebte und erfolgreiche Comics in Japan regelmäßig als Animeserien oder -filme umgesetzt werden, ist kein Geheimnis. So folgte dem erstmals 2002 erschienenen Manga King of Thorn gut sieben Jahre später die filmische Adaption. Regie führte Kazuyoshi Katayama, international weniger bekannt, doch am ehesten noch für den Science-Fiction-Film Appleseed (1988).

Genau wie seine Vorlage spielt der Film in naher Zukunft und handelt von den verzweifelten Versuchen der Menschheit im Kampf gegen das tödliche Virus Medusa, das jeden Infizierten innerhalb von wenigen Wochen vollständig versteinert. Heilung scheint nicht in Sicht, da wagt eine Stiftung den Versuch, 160 zufällig ausgewählte Medusa-Patienten in einen künstlichen Kälteschlaf zu versetzen, aus dem sie erst erwachen sollen, wenn eine Lösung gegen die Krankheit gefunden wurde. Zu den auserwählten Personen gehört auch das junge Mädchen Kasumi (Kana Hanazawa).
Als sie jedoch aus dem Kälteschlaf erwacht, muss sie feststellen, dass die Welt von riesigen Dornenranken überzogen und von monströsen Kreaturen bevölkert ist. Gemeinsam mit anderen Überlebenden wird die Suche nach Antworten darauf, was während der Schlafphase geschehen ist, nicht nur zum brutalen Überlebenskampf, sondern auch zu einem Rennen gegen die Zeit, wenn das Virus weiterhin unaufhaltsam in ihren Körpern wuchert.

Die siebenköpfige Gruppe derer, die nach der Aufwachphase den ersten Angriff fliegender, reptilienartiger Monster überlebt, stellt fortan die Protagonisten, die in bester Horrorfilmmanier durch eine menschenverlassene, isolierte Umgebung um ihr blankes Überleben kämpfen. Die Forschungseinrichtung, die sich unterhalb eines mittelalterlichen Schlosses in Schottland befindet, wird dabei als postapokalyptisches Setting zu einem der stärksten Aspekte des Films. Defekte Maschinerie, geflutete Räume, düstere Korridore und überall die übergroßen Ranken mit ihren Messerscharfen Dornen; bereits ohne die seltsamen Kreaturen strahlt der Handlungsort eine gefährliche Atmosphäre aus, die vor allem in der ersten Filmhälfte, wenn noch deutlich mehr inhaltliche Fragen als Antworten vorhanden sind, überaus effektiv die sich aufbauende Spannung unterstützt.

Von den Charakteren sollte man nicht zu viel erwarten, bleibt schließlich zwischen dem allgegenwärtigen Thrill eines Survival-Horrorfilms wenig Zeit für Zwischenmenschliches. Bei der ein oder anderen Figur, die ohnehin hinter der nächsten Ecke das Zeitliche segnen könnte, hat Charaktertiefe nicht die höchste Priorität. Allzu schlimm ist das für den eher plotorientierten Film aber nicht. Durch den starken Fokus auf das unwirtliche Setting, sind eben auch die konkreten Gefahren überwiegend externer Natur. Schwächer wird King of Thorn allerdings tatsächlich dann, wenn er sich um Auflösungen für das Geschehen bemüht. Da wird schließlich erkennbar, dass die Handlung das Gewicht ihrer bedeutungsschwangeren, doch viel zu knapp vorgetragenen Offenbarungen nicht stemmen kann. So wirkt der letzte Abschnitt gehetzt, einfallslos und unbefriedigend. Schade, denn das lässt sich nicht anders einordnen als einiges an Potential verschenkt zu haben. Das ist nicht zuletzt auch der Laufzeit von knapp über 100 Minuten geschuldet. Die angedeutete Komplexität hätte nämlich gut und gerne noch eine weitere halbe Stunde gebrauchen können, um zu einem runden Abschluss gebracht zu werden.

Nichtsdestotrotz kann King of Thorn über weite Strecken als packende Action mit blutigem Horroreinschlag ordentlich unterhalten. Wer bei der Handlung ein Auge zudrückt, wird dafür mit einem stimmungsvoll inszenierten Überlebenskampf in einer wirklich sehenswerten, lebensfeindlichen Umwelt belohnt.

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