Beyond the Black Rainbow

Beyond The Black Rainbow

Wer ist eigentlich Panos Cosmatos? Der Sohn des griechischen Rambo-2-Regisseurs George Pan Cosmatos drehte 2010 mit Beyond the Black Rainbow seinen ersten und bisher einzigen Spielfilm und vielleicht eines der visuell aufregendsten Werke der letzten Jahre als psychedelische Sci-Fi-Hommage und filmgewordenen Trip. Dass dem Film aufgrund seiner sehr eigenen Inszenierung und Ästhetik kein finanzieller Erfolg vergönnt sein würde, war zwar absehbar, doch was steckt nun wirklich hinter diesem Projekt? Verkanntes Meisterwerk oder überheblicher Blender?

„I looked into the eye of God. It was beautiful… like a black rainbow.“Dr. Barry Nyle

In den 1960er-Jahren gründete Dr. Arboria (Scott Hylands) das Arboria Institut, eine Forschungseinrichtung mit dem Ziel, Wissenschaft und Spiritualität in Einklang zu bringen und Menschen fortwährendes Glück zu garantieren. Zwanzig Jahre später ist das scheinbar unschuldige, esoterische New-Age-Projekt nichts weiter als bloße Fassade für Dr. Barry Nyle (Michael Rogers), Arborias Schützling, der inzwischen die Leitung der Einrichtung übernommen hat. In einer geheimen Anstalt unter dem Institut hält er die junge Elena (Eva Allan) gefangen, um das Potential ihrer übermenschlichen, psychischen Fähigkeiten zu studieren.

Den nach außen charismatisch erscheinenden, doch in Wahrheit unzweifelhaft psychopathischen Antagonisten als Folge eines eigenartigen Experiments mit einer schwarzen Flüssigkeit, die ihm zur Transzendenz verhelfen sollte, verkörpert Michael Rogers absolut überzeugend. Aus den Konfrontationen des Doktors mit dem bedrohlichen Lächeln und seiner sedierten Patientin erwächst schon von Beginn an eine unbequeme Atmosphäre, die den Horrorfilm streift. Auf der einen Seite ein skrupelloser Mann der Wissenschaft, auf der anderen Seite – hinter der Glaswand – ein Mädchen mit gefährlichen Mentalkräften, die durch ein ominöses, pyramidenförmiges Objekt unterdrückt werden können.

Doch das auffälligste Merkmal des Films ist weder seine Charakterzeichnung und deren Beziehung zueinander, noch der geradlinige Plot, der neben der Gefangenschaft noch tragische Flashbacks, bewusstseinserweiternde Substanzen und den Drang nach Freiheit tangiert, sondern die audiovisuelle Gestaltung. Ästhetisch wagt sich Cosmatos tief in das Terrain psychedelischer Science-Fiction aus den 70ern. Das Spiel mit dem Licht, der Retrostyle der Ausstattung, sowie zahlreiche weitere Designentscheidungen bis hin zur Inszenierung der surrealen Sequenzen, die problemlos der Vorstellung halluzinogener Trips entsprungen sein könnten: Beyond the Black Rainbow präsentiert sich inspiriert von der Retrofuturistik von Stanley Kubricks 2001 – A Space Odyssey (1968) und Clockwork Orange (1971), vom Farbeinsatz eines Dario Argento und vom immersiven Rauschgefühl von Der Höllentrip (Ken Russell, 1980) und Enter the Void (Gaspar Noé, 2009). Garniert wird das Ganze mit einer Prise Daft Punk, wenn schließlich die geheimnisvolle Wächterkreatur namens Sentionaut aktiviert wird und mit Overall und Helm durch die Korridore schreitet.

Wenngleich die Handlung extrem entschleunigt ist und vom Zuschauer erfordert, sich der dichten Atmosphäre bedingungslos hinzugeben, um möglicher Langeweile zu entgehen, belohnt das durchaus ein wenig in die Länge gezogene Drehbuch mit seiner Umsetzung als tripartige Trance. Die surreale und experimentelle Natur steht der simplen Idee und ihrem einfach gehaltenen Plot, der Fragen nach Kontrolle, Identität und Flucht aufwirft, ungemein gut. Als ein Film solcher Art ist Beyond the Black Rainbow sicher nicht jedem zu empfehlen. Aufgeschlossene Freunde von Filmen als bildgewaltige Rauscherfahrung kommen allerdings voll auf ihre Kosten, sieht man einmal vom eher dürftigen Ende ab. Das ist jedoch ein letztlich hinnehmbarer Makel in einem ansonsten absolut gelungenen Debütfilm.

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2 Gedanken zu “Beyond the Black Rainbow

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