Interstellar

Interstellar

War Christopher Nolan mit Following (1998) und Memento (2000) einst so etwas wie eine neue, junge Indiehoffnung, dauerte es nur wenige Jahre seiner rasanten Karriere, bis sich der Regisseur im Blockbusterbereich etabliert hatte, wo ihm für seine Filme enorme Millionenbeiträge zur Verfügung stehen. Die Kunst ist es, auch mit diesen riesigen Budgets, trotz gewünschter Risikominimierung seitens der geldgebenden Produzenten, etwas auf die Leinwand zu bringen, das sich nicht in die Masse seelenloser Hollywoodunterhaltung einreiht. Intelligentes Blockbusterkino ist ganz gerne das passende Schlagwort. Bei Nolan ist es nie zu übertrieben kompliziert, aber eben auch nie so, dass man sein Gehirn vor Filmbeginn ausschalten könnte, um sich im Halbschlaf berieseln zu lassen. Sein neuester, fast dreistündiger Science-Fiction-Film Interstellar ist da keine Ausnahme.

Der Traum vom Greifen nach den Sternen, vom Entdecken neuer Welten wird konkreter denn je, als die Erde irreparabel im Sterben liegt und der Mensch dringend neuen Lebensraum ausfindig machen muss. So macht sich eine Crew tapferer Astronauten um Pilot Cooper (Matthew McConaughey) auf, als erste bemannte Mission ein Wurmloch zu durchfliegen und unser Sonnensystem zu verlassen, um sich auf eine abenteuerliche Reise zu begeben, die nicht nur das Überleben der Menscheit sichern soll, sondern auch die Grenzen von Raum und Zeit neu definiert.

Bei einer solchen Prämisse und dem gewichtigen Filmtitel erwartet der Zuschauer bereits ganz automatisch ein groß angelegtes Sci-Fi-Spektakel; Nolan bietet genau das und noch mehr. Wenn sich die Astronauten als letzte Hoffnung der Menschen duch die endlosen Weiten des Alls bewegen, bebildert Nolan, auch wenn er dieses Mal auf seinen Stammkameramenn Wally Pfister verzichten musste, das Wagnis mit tollen Aufnahmen, die genau das halten, was ein Film solcher Größenordnung verspricht. Sei es das ungewisse Passieren des Wurmlochs mit seinen faszinierenden Raumzeit-Anomalien oder ein riskantes, manuelles Andockmanöver bei hoher Rotationsgeschwindigkeit, Interstellar beschert seinen Zuschauern große Schauwerte und ebenso große Spannungsmomente, unterstützt von einem gelungenen Soundtrack Hans Zimmers, der sich endlich mal nicht zu sehr auf basslastiges Dröhnen verlässt.

So monumental und bedeutsam der Film aber auch inszeniert ist, so überraschend nah begibt sich Nolan dieses Mal an seine Figuren. Seine Filmografie ist geprägt von Themen, die mit Liebe und Verlust umzugehen versuchen, sich jedoch stets in eine abstrakte Form von Obsession verlieren, die überwiegend rational geäußert wird. Als Filmemacher lässt Nolan in der Regel eher seinen Verstand, als sein Herz sprechen, wodurch er sich nicht selten den Vorwurf gefallen lassen muss, zu verkopft an seine Geschichten heranzutreten. Dieses Mal jedoch kommt er wahrlich aus sich heraus, wenn er in all die epochalen Ereignisse ohne Scheu zutiefst menschliches Drama einwebt. Protagonist Cooper ist in erster Linie kein cooler Held, sondern ein Vater, dessen größter Antrieb die Liebe zu seinen Kindern ist. Unzählige Lichtjahre von der Erde entfernt, ist die Trennung schmerzlicher denn je. Allen erläuternden Dialogen der wissenschaftlichen Basis, in denen sich Nolan als Rationalist einmal mehr austoben darf, zum Trotz, wird den Charakteren Raum gewährt, ihre größten Ängste und Sehnsüchte zum Ausdruck zu bringen ohne in Kitsch zu verfallen. Das verleiht dem Film eine Emotionalität, der man in Nolans Schaffen ansonsten kaum begegnet. Zwischen dem Bombast eines Sci-Fi-Epos und den stillen Tönen eines persönlichen Dramas, ist Interstellar mal Galaxien entfernt und dann doch wieder hautnah, aber vor allem eines: Ganz großes Hollywoodkino!

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