Rubber

Rubber
© Capelight Pictures

„Sag mal, kennst du eigentlich Rubber? Das ist dieser Film mit dem Autoreifen, der reihenweise Menschen tötet.“
So oder so ähnlich lässt sich Quentin Dupieux‘ skurrile Satire in einem Satz zusammenfassen. Auffallend simpel und überaus eigen, doch dahinter steckt viel mehr, als man glaubt.

Moment, ein Autoreifen? Ja, richtig gelesen, der Protagonist in dieser kurzweiligen B-Movie-Hommage ist ein Reifen namens Robert, der unbekümmert umherrollt und mit telekinetischen Kräften zunächst ein paar Kaninchen zum Platzen bringt und später unschuldige Menschen ermordet. Als wäre das nicht schon herrlich bescheuert genug, schafft sich der Film eine Metaebene, indem er von reiner Willkür im Narrativen spricht, Roberts Handeln zu einer Art Live-Fiktion erklärt und eine gemischte Gruppe von Zuschauern stellvertretend für das tatsächliche Filmpublikum einführt, die sich das Geschehen mit Ferngläsern anschauen und zwischendurch ihre persönliche Meinung zum besten geben.

Dupieux macht schon von vornherein die Selbtreflexivität seines Films deutlich, wenn er eingangs einen Lieutenant Chad (Stephen Spinella) aus dem Kofferraum eines Polizeiwagens steigen und einen Monolog über die Sinnhaftigkeit diverser filmischer Entscheidungen aufsagen lässt, bei dem er auf zahlreiche Beispiele der Filmgeschichte verweist. Das Ergebnis, diese Dinge für grundlos und willkürlich zu befinden, spiegelt sich im Plot rund um Roberts nicht entschlüsselbare Serienkiller-Attitüde wieder und wird von den neugierigen Zuschauern, welche, ganz gleich ob sie zu einem positiven oder negativen Fazit gelangen, dem echten Filmzuschauer zwischengeschaltet sind und sozusagen jegliche Kritik am Gesehenen vorwegnehmen, munter kommuniziert. Auf diese Weise hat jeder Kommentar zu Rubber und seinen künstlerischen, sowie gleichermaßen künstlichen Aspekten bereits eine innerfilmische, überzeichnete Entsprechung, die reales Zuschauerverhalten gewitzt parodiert. Das ist auf der einen Seite eine witzige Idee, wenn man diesen Metahumor teilt, andererseits macht sich Dupieux mit diesem einfachen Kniff vor Kritik welcher Art auch immer von vornherein immun; schließlich kann jeder Mangel, jede Schwäche, die man Rubber beispielsweise auf der dramaturgischen Ebene vorwerfen möchte, mit dem Argument der gewollten Satire entgegnet und mit dem Verweis auf die vom Film gleichzeitig zelebrierte wie kritisierte reine Willkür abgewunken werden.

Ob man das nun einfallsreich, zu simpel gedacht oder gar überflüssig findet, wird Dupieux jedoch herzlich egal sein. Natürlich findet der Zuschauer idealerweise die Killerreifen-Handlung und ihre gekonnte Inszenierung bereits unterhaltsam und den Aspekt der Fiktionalität und ihrer Reflektion mindestens interessant, letztlich bleibt Rubber aber einfach ein filmisches Statement, das sich seine Fragen bereits selbst beantwortet. Aufgeschlossenheit und eine Vorliebe für äußerste Skurrilität sind Grundvoraussetzung. Wer diese Eigenschaften mitbringt, hat mit Dupieux‘ intelligenter Satire mit B-Movie-Anleihen vielleicht genau den richtigen Film über Film und Filmwahrnehmung gefunden.

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2 Gedanken zu “Rubber

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