The Admiral: Roaring Currents

The Admiral - Roaring Currents
© New KSM

Seit letztem Jahr ist The Admiral: Roaring Currents der meistbesuchte und finanziell erfolgreichste koreanische Film aller Zeiten und das ist gar nicht einmal so überraschend. In seinem nationalen, aber auch internationalen Aufschwung der letzten Jahre überschlägt sich das koreanische Kino ohnehin immer wieder selbst, wenn sich neue Produktion mühelos in den Bestenlisten des Korean Film Council etablieren. Die Formel zu The Admiral: Roaring Currents war in der Hinsicht von Anfang an kalkulierter Erfolg: Man nehme ein wichtiges historisches Ereignis, das das ganze Land berührt, besetze die Hauptrolle eines nationalen Helden mit der Schauspiellegende Choi Min-sik und setze einen mit der Joseon-Periode erfahrenen Filmemacher wie Kim Han-min auf den Regiestuhl. Voilá!

Das erwähnte Ereignis ist nichts geringeres als die Seeschlacht von Myeongnyang im Jahr 1597, als der legendäre Admiral Yi Sun-sin seine unterlegene Flotte zu einem der bedeutendsten Seesiege der Militärgeschichte führte und einen heroischen Wendepunkt für Korea im Imjin-Krieg gegen die japanischen Invasoren herbeiführte.
Um die ersehnte Annexion Koreas zum Abschluss zu bringen, bewegt sich die japanische Flotte mit rund 133 Kriegsschiffen und etwa 200 Versorgungsschiffen auf die Hauptstadt Hanseong (heute: Seoul) zu. Die Umrundung der Halbinsel führt die Japaner auch durch die Meerenge zwischen der Insel Jindo und dem Festland. Dort stellt sich ihnen der kümmerliche Rest der noch kampfbereiten koreanischen Flotte entgegen, wenngleich die Besatzungen dieser letzten 13 Schiffe haben aufgrund der niedrigen Erfolgsaussichten nur wenig Moral zeigen. Doch Admiral Yi (Choi Min-sik) hat einen Plan, der die gefährlichen Strömungen der Seestraße zu seinem Vorteil nutzen und so das ungleiche Zahlenverhältnis der Flotten ausgleichen sollte.

Reißerisch formuliert, könnte man sagen Kims Film sei so etwas wie das koreanische Äquivalent zu 300: Rise of an Empire (Noam, Murro, 2014), doch von der ähnlichen Prämisse eines schier aussichtslosen letzten Gefechts abgesehen, verfolgen die Filme inszenatorisch deutlich verschiedene Ansätze. Wo die Hollywoodproduktion auf gnadenlose Überstilisierung und comichafte Überzeichnung setzt, gibt sich The Admiral: Roaring Currents deutlich bodenständiger. Zieht man komödiantische und fantastische Elemente weitgehend ab, fühlt man sich vielleicht eher noch an Fluch der Karibik (Gore Verbinski, 2003) erinnert. Kim erzählt die wahre Geschichte der berühmten Seeschlacht mittels eines durchaus gelungenen Spagats zwischen Authentizität und Massenkompatibilität. Als historischer Actionfilm voll und ganz auf dieses große Ereignis ausgerichtet, bleibt entsprechend wenig Raum für Figurentiefe und selbst beim Admiral konzentriert man sich nicht unbedingt auf den Menschen Yi, als viel mehr auf den großen Strategen Yi.

Ein historisches Porträt der Umstände und ihrer zahlreichen Auswirkungen auf die Gesellschaft als Ganzes oder auf die Individuen im Einzelnen sollte man definitiv nicht erwarten. Wer aber bereits an Kims vorherigem Joseon-Film War of the Arrows (2011) Gefallen gefunden hat, ist hier richtig. Fans von packend inszenierten Schlachtengemälden in eindrucksvollen Bildern, wenn Schiffe aufeinandertreffen, Kanonenkugeln das Holz zum Splittern bringen und Speere sich durch Rüstungen bohren, kommen voll und ganz auf ihre Kosten. The Admiral: Roaring Currents ist ein Blockbuster und macht keinen Hehl daraus; der Film wurde als solcher konzipiert, als solcher wahrgenommen und macht als solcher sogar ziemlich viel Spaß.

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