Honeymoon

Honeymoon FilmplakatHeutzutage erweist es sich als gar nicht so einfach zwischen all den wie am Fließband produzierten Dämonen- und Geistergeschichten in alten Häusern und über verfluchte Puppen einen Horrorfilm zu finden, der mehr versucht, als nur die immer gleichen, ausgelutschten Tropen des Genres zu bedienen. Mit ihrem Spielfilmdebüt Honeymoon bewegt sich Regisseurin Leigh Janiak glücklicherweise eindeutig in die richtige Richtung.

Der Film handelt von der denkwürdigen ersten Phase im neuen Lebensabschnitt eines jungen Paares: Die Flitterwochen nach der Hochzeit. Bea (Rose Leslie) und Paul (Harry Treadaway) haben sich dafür eine abgelegene kleine Waldhütte am See ausgesucht, um die nächsten Tage in beschaulicher Zweisamkeit zu verbringen. Doch die gute Stimmung hält nur so lange an, bis Paul mitten in der Nacht allein im Bett erwacht. Er findet Bea wenig später nackt und desorientiert im Wald. Sie hat keine Ahnung, wie oder warum sie dort hingelangt ist, schiebt den Vorfall allerdings auf stressbedingtes Schlafwandeln. Paul vermutet jedoch, dass dahinter mehr steckt, als es den Anschein hat, denn am nächsten Tag beginnt Bea, sich merkwürdig zu verhalten…

Mehr vom Plot zu verraten wäre überaus kontraproduktiv, denn Janiaks Film lebt gerade davon, den Zuschauer nicht bereits früh mit einem bestimmten Horrorszenario zu konfrontieren, sondern ihn gemeinsam mit den beiden Hauptfiguren einen graduellen Abstieg in das Unbekannte unternehmen zu lassen. Das mysteriöse, unheimliche Element kriecht ganz langsam in die Normalität des Gewöhnlichen. Die Flitterwochen sind eigentlich eine Zeit, welche die Verbundenheit des frisch verheirateten Paares noch weiter verstärken sollte. Was passiert aber, wenn eine umgekehrte Entwicklung eintritt, ohne dass der Grund zunächst offenbar ist? Paul versucht diesem psychologischen Keil, der der gemeinsamen Zeit diesen unangenehmen Beigeschmack verleiht, auf die Spur zu kommen.

Janiak inszeniert Honeymoon mit einer erfrischend subtilen Unbehaglichkeit, die vollständig auf platte, genretypische Musikuntermalung und folgerichtige Jumpscares verzichtet. Der Horror springt dem Zuschauer nicht ins Gesicht, sondern lauert stattdessen allgegenwärtig unter der Oberfläche. Man kann ihn nicht immer sehen, doch er bleibt durchgehend spürbar, erschreckend nah und manchmal in den unscheinbarsten Details.


Originaltitel: Honeymoon
Regie: Leigh Janiak
Drehbuch: Leigh Janiak, Phil Graziadei
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2014

Copyright der Bilder: Mad Dimension

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9 Gedanken zu “Honeymoon

    1. Oha! Na gut. Ich bin aber sowieso der Meinung, dass Horrorfilme im Kino oder generell in Anwesenheit anderer Menschen an Wirkung verlieren. Da schaue ich dann lieber Thriller oder Dramen. :)
      Apropos, welche Filme hast du denn davor und danach gesehen?

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      1. Honeymoon hab ich eh als Drama wahrgenommen. Grade geschaut, war doch der letzte Film an dem Tag. Aber davor kam „Wrong Cops“, der war so megawitzig, wird nur in Deutschland komplett scheiße vermarktet :D

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        1. Stimmt schon, von dem leisen Horror abgesehen, geht „Honeymoon“ – vor allem in der ersten Filmhälfte – auch gewissermaßen als Drama durch. „Wrong Cops“ kenne ich noch nicht, aber da der von Quentin Dupieux ist, hätte ich definitiv Lust darauf. :)

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  1. Eigentlich ist er ja richtig richtig schick gemacht. Leider konnte er mich nur schwer überzeugen, da irgendwann eine Partei so anstrengend für den Filmgenuss wurde, dass ich mich schwertat, dieses Filmchen zu genießen. Zwar nicht mein Geschmack, aber schön wenn sich andere dafür begeistern können.

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    1. Das ist natürlich schade und ich könnte mir auch durchaus vorstellen, dass man das so empfinden kann, würde aber dennoch allen raten, die mal etwas anderes sehen möchten als „Sinister“, „Conjuring“, „Annabelle“ und Konsorten, einen Blick zu riskieren.

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