Iodo

Iodo - FilmplakatMitten in die 70er Jahre, eine Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs, der Industrialisierung und der Modernierung Koreas, schlägt Iodo von Kim Ki-young, und konfrontiert den Menschen mit dem, was sich wirklich unter den komplexen Schichten der Gesellschaft verbirgt, mit jenen primitiven Urkräften, die ihn antreiben.

Auf der Insel Jeju soll ein neues Hotel errichtet werden. Teil der Werbekampagne ist eine Schiffsfahrt, zu der zahlreiche Journalisten eingeladen sind. Als Pressereferent Wu-hyun (Kim Jeong-cheol) den Zielort der Reise offenbart, kann Journalist Nam-seok (Choi Yun-seok) seine Aufregung nicht zurückhalten. Iodo ist nicht nur der Name des Hotelprojekts, sondern auch eine mystische Insel, die der Legende nach die Seelen unschuldiger Fischer verschlingt. Nach einer Auseinandersetzung verschwindet Nam-seok auf mysteriöse Weise von Bord un hinterlässt Wu-hyun unter Mordverdacht. Um die Wahrheit herauszufinden und seine Unschuld zu beweisen, reist Wu-hyun zur Heimatinsel Nam-seoks, die inzwischen ausschließlich von Frauen bevölkert ist. Die Männer der Insel hat sich angeblich Iodo geholt. In seinen Ermittlungen, dringt Wu-hyun immer tiefer in die isolierte, kleine Gesellschaft und ihre mythen- und ritualgeschwängerte Vergangenheit ein.

In umfangreichen Rückblenden gewährt uns Kim nicht nur eine Sicht auf die persönliche Geschichte Nam-seoks, sondern eben vor allem auf eine fremdartige Gesellschaftsform, die ihre ganz eigenen Regeln und Bräuche entwickelt hat. Dass sich Nam-seok damals mit der Abalonenbrut beschäftigt hat, um seinen Traum vom Reichtum zu verfolgen, erscheint nur allzu passend, denn auch auf der Insel selbst dreht sich alles um das Brüten und die Fortpflanzung, die hier keine zwischenmenschliche Kommunikation erfordert, sondern über primitive Paarungsverhalten erfolgt. Diese Sexualisierung drückt Kim vornehmlich in subtilen Metaphern aus, die von schönen Naturaufnahmen ergänzt werden, um der seinerzeit strengen Zensur zu entgehen. Dennoch ließ er sich eine entscheidende Szene nicht nehmen, bei der die Zensurbehörde kein Auge mehr zudrücken konnte; eine der verstörendsten Szenen des koreanischen Kinos machte es schließlich unmöglich, zur Zeit der Veröffentlichung in den Genuss einer unzensierten Fassung des Films zu kommen. Das ist heute zwar glücklicherweise möglich, eine Reduktion auf einen einzelnen Schockmoment ist jedoch nicht angebracht.

Abseits des fast schon animalischen Geschlechterspiels, wird das Leben auf der Insel von Aberglauben und merkwürdigen Riten bestimmt. Die tatsächliche Macht liegt in der Hand der zwielichtigen Schamanin, die davon mitunter regen Gebrauch macht. Hinter jedem sexuellen Verlangen und sinnlichem Verhalten steckt eine Paranoia, eine Furcht, deren Ursache im Mystischen Gestalt findet. In Verbindung mit den satten Farben und der kompetenten Kameraführung erzeugt Kim eine ganz eigene Ästhetik, eine faszinierende Atmosphäre, die den ganzen mysteriösen Vorgängen um Nam-seoks Verschwinden, dessen Vergangenheit und dessen außergewöhnlicher Heimatinsel rund um den Iodo-Mythos eine hypnotische Anziehungskraft verleiht. Iodo ist ein ganz besonderer und besonders einprägsamer Film im koreanischen Kino, dessen Bann sich Filmliebhaber unter normalen Umständen nicht entziehen können.


Originaltitel: Iodo
Regie: Kim Kiy-young
Drehbuch: Ha Yoo-sang
Produktionsland: Südkorea
Produktionsjahr: 1977

Copyright der Bilder: Korean Film Archive

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