Vinyan

Vinyan - FilmplakatTropische Hitze und drückende Luftfeuchtigkeit – steht der Sommer vor der Tür oder Fabrice Du Welz‘ Arthaus-Horrordrama Vinyan auf dem Programm? Letzteres verschlägt Rufus Sewell und Emmanuelle Béart in den Regenwald von Myanmar, dessen Unterholz finstere Geheimnisse verbirgt.

Es ist nun sechs Monate her, dass Jeanne (Emmanuelle Béart) und Paul (Rufus Sewell) ihren Sohn bei der Tsunamikatastrophe in Thailand verloren haben. Doch in einem Video über Hilfsarbeiten in Myanmar, scheint sich der totgeglaubte Joshua unter den gezeigten Kindern zu befinden. Jeanne ist sich sicher und drängt Paul, der nach der langen Zeit eigentlich abschließen wollte, dazu, sich auf die Reise nach Myanmar zu begeben, um ihren Sohn unter Menschenhändlern ausfindig zu machen. Als Führer engagieren sie den ortskundigen Thaksin Gao (Petch Osathanugrah), doch dieser hat nicht nur seine eigenen zwielichtigen Pläne, auch der Dschungel selbst, in den das Ehepaar immer tiefer vordringt, lässt die Grenzen der Wirklichkeit auf gefährliche Weise verschwimmen.

Mit Vinyan präsentiert Du Welz ein mitreißendes Drama zweier Menschen zwischen irrationaler Hoffnung und innerer Trauerbewältigung; Jeannes Schmerz und Mutterinstinkt, kontrastiert von Pauls Ansatz, der Situation mit Vernunft zu begegnen. Ein Zusammenstoß von wahnhaftem Optimismus und gesundem Pessimismus? Einen Außenblick lässt der Regisseur nicht zu. Realitäten und Wahrscheinlichkeiten bleiben im Auge des Betrachters – in diesem Fall im Kopf der beiden Hauptfiguren – und diesen Ansatz nutzt Du Welz, um das Drama unter Einfluss der fiebrigen, tropischen Schwere zu einem schleichenden Horrorfilm werden zu lassen, dessen Unbehaglichkeit in der Ambivalrenz zwischen Fakt und Fiktion steckt. Die anfängliche Exotik Südostasiens, die der renommierte Kameramann Benoît Debie in starken Bildern einfängt, weicht einer drückenden, psychdelischen Atmosphäre, wenn sich das unerträgliche Klima, die pure Verzweiflung und schaurige lokale Mythen zu einem verstörenden Alptraum vermischen.

Zwischen Arthausdrama mit langsamem Erzähltempo und dem Schrecken bildgewordenen Wahnsinns vor eindringlichen Naturaufnahmen, fühlt man sich in Machart und Wirkung mitunter an Filme wie den ein Jahr später erschienenen Walhalla Rising (Nicolas Winding Refn, 2009) und Apocalypse Now (Francis Ford Coppola, 1979) erinnert. Im Mittelteil hätten dem Drehbuch zwar ein paar der mäandernden Abschnitte, die sich ein klein wenig in die Länge ziehen, problemlos entnommen werden können, aber insgesamt ist Fabrice Du Welz mit seinem zweiten Spielfilm ein durchaus sehenswerter Genrebeitrag für aufgeschlossene Filmfreunde gelungen.


Originaltitel: Vinyan
Regie: Fabrice Du Welz
Drehbuch: Fabrice Du Welz
Produktionsland: Frankreich, Belgien, Großbritannien
Produktionsjahr: 2008

Copyright der Bilder: Koch Media

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