Miss Kicki

Miss Kicki -FilmplakatWie man Mutter ist, gleichzeitig aber auch irgendwie nicht: Håkon Lius Miss Kicki ist ein Familiendrama, das Schweden und Taiwan aufeinanderprallen lässt, um in stillen Tönen von einer Mutter-Sohn-Beziehung zu erzählen, die eigentlich nur auf dem Papier existiert und in der zwischenmenschlichen Wirklichkeit dringend Aufarbeitung bedarf.

Nach vielen Jahren im Ausland, ist Kicki (Pernilla August) endlich nach Schweden zurückgekehrt. Ihren inzwischen 17-jährigen Sohn Viktor (Ludwig Palmell) hatte sie damals bei dessen Großmutter abgeladen. Kein Wunder also, dass man von einer familiären Bindung kaum sprechen kann. Um das Verhältnis zurecht zu rücken und endlich Mutter zu sein, lädt sie Viktor zu einem gemeinsamen Urlaub nach Taipeh ein. Tatsächlich aber scheint dieser Vorwand allerhöchstens eine Nebenangelegenheit zu sein, denn Kicki hält vor ihrem Sohn geheim, dass sie sich nicht zufällig für Taiwan als Reiseziel entschieden hat. Sie plant, ihre Skype-Bekanntschaft, den Geschäftsmann Mr. Chang (Eric Tsang), in seiner Heimatstadt zu besuchen, ohne vorher Bescheid zu geben.

Die Prämisse mag speziell sein, die dargestellten Verhältnisse dafür weniger überraschend, doch der Norweger Regisseur Liu verlagert seine Geschichte nicht bloß als exotische Touristenattraktion nach Taiwan. Selbst dort geboren, versteht er es, seine Bilder ganz natürlich und unprätentiös fließen zu lassen. Die Inszenierung wirkt authentisch und degradiert Taiwans Hauptstadt glücklicherweise nicht einfach zum visuellen Aufhänger. Die Abkopplung Kickis und Viktors aus ihrem gewohnten kulturellen Umfeld in Schweden verstärkt die Konzentration auf das wesentlich Menschliche, das sich in facettenreichen Emotionen äußert. Nun ist der Handlungsverlauf zwar für den geübten Zuschauer nicht schwer zu erahnen, doch dem behutsamen Zusammenspiel der Akteure – zum Mutter-Sohn-Duo gesellt sich auch Viktors neue Bekanntschaft Didi (He River Huang) – gelingt es, diese Schwäche teilweise auszugleichen.

Vor allem aber sei die Darstellung von Pernilla August gelobt, die ihrer Figur eine ganze Reichweite an Gefühlen und Eigenschaften verleiht, sodass man Kicki im Grunde nicht böse sein kann. Auf dem Papier kann man sie durchaus dem Typ Rabenmutter zuordnen, doch wenn man sie bei ihren vielen Fehlern und ernstgemeinten Hoffnungen auf ihrer Reise durch Taipeh begleitet, bei der sie nicht nur zu sich selbst, sondern eben auch endlich zu ihrem Sohn findet, lässt sich ihr der Wunsch, doch noch die Kurve zu kriegen, kaum verweigern.

Liu schickt eine dysfunktionale schwedische Familie zur Reparatur nach Taiwan. Miss Kicki ist aber keine von diesen leidlichen Culture-Clash-Komödien, sondern ein Drama, das sein Setting und vor allem seine Charaktere als Menschen ernst nimmt, wenngleich es letzten Endes ein wenig zu sehr nach bekannten Mustern gestrickt ist.


Originaltitel: Miss Kicki
Regie: Håkon Liu
Drehbuch: Alex Haridi
Produktionsland: Schweden, Taiwan
Produktionsjahr: 2009

Copyright der Bilder: Good Movies!

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3 Gedanken zu “Miss Kicki

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