Patema Inverted

Patema Inverted - FilmplakatDie Welt steht kopf – und zwar wortwörtlich, wie Yasuhiro Yoshiura mit seinem Animefilm Patema Inverted zeigt, in dem er zwei Gesellschaften aufeinander treffen lässt, die aufgrund unterschiedlicher Schwerkraft unvereinbar scheinen. Die Idee erinnert verdächtig an Upside Down (Juan Solanas, 2012), doch von der ungewöhnlichen Prämisse abgesehen, haben die Filme in ihrem Handlungsverlauf tatsächlich wenig gemeinsam.

Patema Inverted dreht sich um das titelgebende Mädchen Patema (Yukiyo Fujii) und ihr unterirdisches Dorf, das zwischen Rohren, Schächten und Korridoren in einer futuristischen Welt angesiedelt ist. Als Patema eines Tages die Warnungen der Dorfbewohner ignoriert und die verbotene Zone immer weiter nach oben bis zur Oberfläche durchquert, stellt sie fest, dass dort ebenfalls Menschen leben, mit dem Unterschied, dass deren Schwerkraft sich umgedreht zu ihrer eigenen verhält. In ihrer Panik stürzt Patema beinahe in den schier endlos scheinenden Himmel, doch der junge Age (Nobuhiko Okamoto) kann die in seiner Welt verachtete „Umgekehrte“ retten und fortan als ihr Rettunganker in dieser unbequemen Umgebung dienen. Gemeinsam entdecken die beiden Geschichte und Gegenwart ihrer Völker, was sie unterscheidet und was sie verbindet und suchen nach einem Weg, das zusammen zu bringen, das entgegen der Diktatur des Systems nicht getrennt gehört.

Yoshiuras Film erzählt von einer schicksalhaften Begegnung und von einem großen Abenteuer, bei dem ein Junge und ein Mädchen zueinander finden und sich gegenüber allen Einsprüchen zur Wehr setzen. So weit so gut, doch während Patema Inverted sicher ein großer Spaß für die Kleinen ist, müssen erwachsene Zuschauer je nach Versiertheit mit Abstrichen rechnen, denn viele der Versatzstücke hat man schon einmal woanders entweder besser oder bereits zu oft gesehen. So ist die faschistisch anmutende Regierung der Oberfläche, die die umgekehrten unterirdischen Bewohner quasi zu Untermenschen erklärt, die x-te Abwandlung einer dystopischen Zukunftsgesellschaft, die genau auf solchen Prinzipien beruht. Um jedoch wirklich bedrohlich zu wirken, müsste die Welt reichhaltiger gestaltet sein. Tatsächlich aber wirkt Patema Inverted seltsam leer und oberflächlich. Dass die Handlungen und Konsequenzen der tragenden Individuen in dieser Geschichte gesamtgesellschaftliche Auswirkungen haben, wird mehr behauptet, als wirklich spürbar inszeniert. Das soll dem vielleicht etwas zu naiven Abenteuer, das mitunter ein wenig an Das Schloss im Himmel (Hayao Miyazaki, 1986) erinnert, aber keinen Abbruch tun. Emotional weiß der Film trotz leichtem Hang zur Rührseligkeit nämlich durchaus mitzureißen, nur eben nie auf dem gleichen hohen Niveau eines Hayao Miyazaki, eines Satoshi Kon oder eines Mamoru Hosoda.

Yoshiuras zweitem Langfilm fehlt zwar ein wenig die Finesse, um bei den großen Animemeilensteinen mitzuspielen, doch das macht Patema Inverted noch lange nicht zu einem schlechten Film. Angereichert mit solider Spannung und faszinierendem Entdeckerdrang, bringt der Anime seine Konflikte zu einem versöhnlichen und pfiffigen Abschluss, der vielleicht überrascht, bestimmt aber zufriedenstellt und vor allem das Fazit ziehen lässt, letztlich doch ganz gut unterhalten worden zu sein.


Originaltitel: Sakasama no Patema
Regie: Yasuhiro Yoshiura
Drehbuch: Yasuhiro Yoshiura
Produktionsland: Japan
Produktionsjahr: 2013

Copyright der Bilder: Kazé

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5 Gedanken zu “Patema Inverted

      1. Naja, wenn er sich aber mit ein paar zu oft widerholten Klischees eindeckt, dann kann es durchaus einem „Gesetz“ gleichkommen. Aber wie gesagt, vom „Was“-Standpunkt wirkt es interessant. ;)

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  1. Emotional weiß der Film trotz leichtem Hang zur Rührseligkeit nämlich durchaus mitzureißen, nur eben nie auf dem gleichen hohen Niveau eines Hayao Miyazaki, eines Satoshi Kon oder eines Mamoru Hosoda.

    Kann ich so unterschreiben. Netter Film für zwischendurch, aber keiner, den man unbedingt immer wieder mal in den Spieler einlegt.

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