Strings

Strings - FilmplakatSie existiert bereits seit der Antike, als die alten Ägypter sie etwa 2000 Jahre v. Chr. bei Ritualen und Zeremoniern einsetzten: Eine mittels geschickter Handgriffe über Fäden kontrollierbare Miniaturversion des Menschen, die Marionette. Rund 4000 Jahre später war es dann endlich an der Zeit, dass sich jemand daran wagte, den ersten abendfüllenden Marionettenspielfilm der Welt zu drehen. Dem dänischen Regisseur Anders Rønnow Klarlund kam während eine Flugs die Idee zu Strings, die er schließlich mit einem Budget von 5 Millionen Euro, 10 Kilometern Schnur und 22 der besten Puppenspieler Europas in Form eines mitreißenden Fantasy-Epos realisierte.

Der Herrscher von Hebalon ist tot! Ermordet von den Zerithern, wie es scheint, und so macht sich Thronerbe Hal (James McAvoy) auf eine gefährliche von Hass, Wut und dem Wunsch nach Vergeltung befeuerte Reise, die ihn das Leben kosten könnte. Alles verläuft genau nach Plan des verräterischen Nezo (Derek Jacobi), der die wahre Todesursache des geliebten Anführers verschweigt und ein manipulatives Spiel treibt, um einen alles verändernden Krieg zwischen Hebalon und Zerith zu provozieren.

Strings ist eine abenteuerliche Heldenreise vor fantastischem Setting, in der sich die Suche nach Rache letztlich zu einer Suche nach Wahrheit wandelt. Aus Fremdbestimmung wird Selbstbestimmung, wenn der Protagonist zur Erkenntnis über die Manipulation, über das Ziehen der Fäden aus dem Hintergrund gelangt. Apropos Fäden: Der Clou an Klarlunds Film ist, dass er nicht nur einfach Marionetten benutzt, um eine Geschichte zu erzählen, sondern tatsächlich eine Geschichte über Marionetten erzählt. Die Fäden sind mehr als nur die Hilfsmittel der Puppenspieler, sie sind essentiell in die Welt von Strings integriert. Die Figuren können sie sehen und mit ihnen interagieren. Dadurch wird die Mechanik der Marionette zum dramaturgischen Element, denn beispielsweise hält der zentrale Faden, der sogenannte Lebensfaden, eine Marionette am Leben. Wird er vom Feind mit dem Schwert durchtrennt, stirbt sie. Werden Fäden verheddert, wird die Marionette bewegungsunfähig. Und Querbalken versperren Wege, werden in Gitterform sogar als Gefängniszellen benutzt, aus denen Marionetten nicht entkommen können, weil ihre Fäden blockiert sind.

Statt die Marionette also einfach nur als Basis für die Visualisierung zu benutzen, geht es Klarlund bei seinem Werk um einen Marionettenfilm, der sich in vielfacher Hinsicht komplett anfühlt. Für ihn stand es daher außer Frage, dass die Beschaffenheit von Marionetten wesentlicher Teil des Settings und der Handlung werden musste. Die Motive von Determinismus und Freiheit, von gelenkten und selbst in die Hand genommenen Schicksalen wird auf diese Weise für den Zuschauer sogar bildlich greifbar. Das Marionettenspiel mit seinen Fäden zieht sich somit durch sämtliche Ebenen des Films, angefangen als technischer Aspekt, als Werkzeug, über die physikalischen Gegebenheiten der Filmwelt, bis hin zu entscheidenden Augenblicken im Plot, wenn sie über Leben und Tod entscheiden. Strings ist wahrlich ein ganz besonderes Projekt, ein filmisches Puppentheater, das sich allein bereits aufgrund der kreativen Ideen und liebevollen Machart anzuschauen lohnt.


Originaltitel: Strings
Regie: Anders Rønnow Klarlund
Drehbuch: Anders Rønnow Klarlund, Naja Marie Aidt
Produktionsland: Dänemark, Schweden, Norwegen
Produktionsjahr: 2004

Copyright der Bilder: 3L Vertrieb

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