Verschollen in der City

Verschollen in der City - FilmplakatDer Gedanke, das sommerliche Wetter am Sandstrand einer einsamen Insel zu genießen, mag verlockend sein, doch Jung Jae-young hat in Verschollen in der City, dem zweiten Spielfilm von Lee Hae-jun ganz andere Probleme, sehr zur Erheiterung des Publikums.

Eigentlich wollte Kim Seung-geun (Jung Jae-young) – hochverschuldet und von der Freundin verlassen – seinem Leben bereits ein Ende bereiten, doch sein Suizidversuch von einer Brücke schlägt fehl. Er wird von den Fluten fortgerissen und an Land gespült, an eine unbewohnte Insel im Hanfluss, mitten in Koreas Metropole Seoul. Das Flussufer mit den Wolkenkratzern, Zeichen menschlicher Zivilisation, scheint so nah und doch so fern. Da Seung-geun nicht schwimmen kann, freundet er sich mit seinem neuen Schicksal an und entwickelt eine gewisse Faszination am Überleben, nichtsahnend, dass er von der jungen Frau Kim Jung-yeon (Jung Ryeo-won) durch ein Teleobjektiv beobachtet wird, bis sie ihm schließlich eine Flaschenpost schickt…

Verschollen in der City beginnt mit einer tragischen Ausgangssituation, wandelt den gescheiterten Selbstmord und den neu gefundenen Lebenswillen Seung-geun schnell in eine kuriose und mit witzigen Momenten angereicherte Situation und entwickelt sich anschließend ganz allmählich zu einer gefühlvollen Geschichte mit viel Verstand und noch mehr Herz. Im Kern ist Lees Film eine Komödie, wenn wir den Protagonisten bei ihren verrückten Aktionen zusehen: Seung-geun versucht den angespülten Abfall irgendwie brauchbar zu machen, während Jung-yeon ihr Leben in der Stadt so gut es geht so zu führen versucht, dass sie ihr Zimmer nie verlassen und sich nur im Internet zu bewegen braucht.

In den skurrilen kleinen Augenblicken und Handlungen der Figuren steckt durchgehend eine gewisse Leichtigkeit, doch Lees Film – und das ist seine prägnanteste Stärke – ist eben auch eine intelligente Darstellung von sozialer Reklusion. Verschollen in der City ist die Geschichte zweier Außenseiter, die kaum weiter von der Gesellschaft entfernt sein könnten. Unter der amüsanten Oberfläche offenbart der Regisseur einen differenzierten Blick, der seinem Film eine willkommene Ernsthaftigkeit und den Geschehnissen eine mitreißende Tragweite verleiht, sobald diese beiden abseits stehenden Idividuen beginnen, miteinander zu kommunizieren. Die Wandlung von einer bloßen Komödie zu einem gefühlvollen Drama vollzieht der Film dabei ganz organisch, so wie es im koreanischen Kino mit den durchlässigen Genregrenzen ohnehin durchaus üblich ist. Zum unangenehmen Trauerkloß verkommt Verschollen in der City nie; so weit lässt es Lee nicht kommen, zu wichtig sind ihm die schönen Momente und die witzigen Details des Lebens. So ist sein Film zugleich mehr als nur einfache, oberflächliche Kost und dennoch hervorragend ausbalanciert, um als sommerlicher Unterhaltungsfilm für die ganze Familie geeignet zu sein. Ein Kunststück, das erst einmal gemeistert werden muss.


Originaltitel: Kimssi pyoryugi
Regie: Lee Hae-jun
Drehbuch: Lee Hae-jun
Produktionsland: Südkorea
Produktionsjahr: 2009

Copyright der Bilder: Cinema Service

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4 Gedanken zu “Verschollen in der City

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