Nabi

Nabi - FilmplakatAußerhalb Koreas kennt man Kang Hye-jeong in der Regel seit ihrer Rolle als Mi-do in Oldboy (Park Chan-wook, 2003), dabei war sie bereits zwei Jahre zuvor zum ersten Mal im Science-Fiction-Drama Nabi zu sehen, was ihr auch sogleich einen Preis als beste Nachwuchsdarstellerin auf dem Bucheon International Fantastic Film Festival einbrachte.

Im Korea der nahen Zukunft gibt es Säureregen, Bleivergiftungen und den sogenannten Oblivion-Virus, der das Gedächtnis wesentlich beeinträchtigen kann. Eine Reiseagentur vermarktet den Trip in die verseuchten Gebiete als Tourismusattraktion und Anna Kim (Kim Ho-jung), eine in Deutschland aufgewachsene Koreanerin, will unter der Führung der jungen Yuki (Kang Hye-jeong) mit dem Virus in Kontakt kommen, um ihre schmerzhaften Erinnerungen an die Vergangenheit auszulöschen.

Von dieser Prämisse ausgehend, inszeniert Moon Seung-wook ein gleichermaßen nachdenkliches, wie gefühlvolles Drama, dass sein Low-Sci-Fi-Setting weniger dazu nutzt, eine Geschichte über eine neue, zukünftige Welt zu erzählen, als viel mehr die Schicksale seiner Figuren zu beleuchten. Nabi nimmt sich viel Zeit, die Innenwelten der Protagonisten zu ergründen, die sich allesamt um das Thema Erinnerung drehen. Anna möchte ihre Erinnerungen loswerden, Yuki bewahrt die Erinnerungen anderer auf und die dritte Hauptfigur (Jang Hyeon-seong), der Fahrer der Agentur, ist auf der verzweifelten Suche nach etwas Vergangenem, wovon er keine Erinnerung hat.

Gestaltet ist das Zirkulieren um die Erinnerungen, trotz koreanischer Herkunft, als Arthausfilm, der mitunter eher osteuropäisch als ostasiatisch anmutet. Kein Wunder, denn Regisseur Moon erlernte sein Handwerk in Polen unter der Leitung von niemand geringerem als Krzysztof Kieślowski. Zu Beginn erinnet Nabi dabei atmosphärisch sogar stellenweise an Stalker (Andrej Tarkowskij, 1979), wenn sich Anna und Yuki durch die verseuchten Gebiete bewegen. Zu dieser schleppenden, schwer greifbaren „unkoreanischen“ Stimmung gesellt sich ein vielfacher Einsatz von Wassersymbolik, die sich neben den häufigen Regenfällen auch im Abduschen von Irritationen, in scheinbar ausgelassenen, doch tatsächlich schwermütigen Tauchgängen im Schwimmbad, in einem Autounfall am Fluss, sowie einer ergreifenden Seegeburt äußert. Wasser scheint in zahlreichen Variationen immer in essentiellen Augenblicken untrennbar mit der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Figuren verbunden zu sein.

Nabi ist ein kleiner, fast schon unscheinbarer Film, der nicht viele Worte verliert, es dafür jedoch umso besser versteht, starke Emotionen visuell zum Ausdruck zu bringen. Ein faszinierendes Arthausdrama über Menschen und Erinnerungen.


Originaltitel: Nabi
Regie: Moon Seung-wook
Drehbuch: Moon Seung-wook
Produktionsland: Südkorea
Produktionsjahr: 2001

Copyright der Bilder: Buena Vista International

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3 Gedanken zu “Nabi

    1. Freut mich, dass ich dein Interesse wecken konnte.
      Leider hast du recht, die DVD ist nirgendwo aufzutreiben, auch nicht als Import über Yesasia und Konsorten. Ich bin zwar in den Untiefen des Internets darauf gestoßen, hätte den aber auch lieber im Regal stehen, ehrlich gesagt.

      Gefällt 1 Person

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