Himiko

Himiko - FilmplakatTrotz der Vielfalt und Reichhaltigkeit japanischer Filmgeschichte, die die ostasiatische Nation immer wieder in zahlreichen Epochen und gesellschaftlichen Stadien porträtierte, scheinen sich nur wenige Filme mit der Zeit vor dem japanischen Mittelalter zu beschäftigen. Auch lange vor dem Aufstieg und Fall der Samurai und bevor das Land der aufgehenden Sonne als solches bezeichnet wurde, gibt es faszinierende Historie zu beobachten, wenngleich man sich hier mangels umfassender Dokumentation oftmals in den Bereich der Mythen und Legenden bewegt.

Eine dieser mythenbehafteten Persönlichkeiten der proto-japanischen Gesellschaft des dritten Jahrhunderts ist die erste namentlich bekannte Herrscherin Himiko (Shima Iwashita). Als Schamanin im Reich Yamatai agiert sie als Sprachrohr des Sonnengottes, der sie anscheinend als Nachfolgerin des Königs Ohkimi (Yoshi Katō) vorgesehen hat. Zweifel macht sich unter den Männern um Thronanwärter Mimaki (Choichiro Kawarazaki) breit, doch nach einem Attentat auf den König, ergreift tatsächlich Himiko die Macht. Nach wie vor davon überzeugt, dass die Visionen des Sonnengottes nicht wahrheitsgemäß wiedergegeben wurden, sondern Himiko sich von ihrem geliebten Takehiko (Masao Kusakari), seines Zeichens Sympathisant anderer Stämme und Götter, hat beeinflussen lassen, schmiedet Mimaki einen Plan, um die Herrschaft an sich zu reißen.

Regisseur Masahiro Shinoda drehte Himiko noch ganz im Zeichen der Nūberu bāgu, der Japanischen Neuen Welle, und inszeniert sein historisches Porträt mit inhaltlichen Freiheiten und einem besonderen Augenmerk auf die formale Gestaltung. In geradezu minimalistisch und stark ästhetisiert ausgestatteten Räumlichkeiten erzählt er eine Geschichte über Religion, Macht und Verführung im surrealistischen Gewand. Kontrastiert wird diese eher an Theateraufführungen erinnernde Künstlichkeit durch die natürliche Schönheit der Außenaufnahmen, wenn es in Wäldern und Feldern zu Konflikten mit konkurrierenden Stämmen und zu Begegnungen mit mysteriösen Individuen kommt. Ohne zu viel verraten zu wollen, wird besonders gegen Ende der postmoderne New-Wave-Stil überdeutlich und lässt Himiko fast schon typisch – oder besser sinnbildlich – für diese wilde Filmbewegung der 60er und 70er Jahre abschließen.

Als Zuschauer sollte man daher auch keine historische Nacherzählung erwarten, die sich sachlich an Fakten abarbeitet. Himiko ist viel mehr eine Art impulsives Bühnenstück in Filmform, das die starken Emotionen seiner Figuren mit sonderbaren Riten verschmelzen lässt und so zu einem durchaus gewöhnungsbedürftigen, doch ebenso hochinteressanten Filmerlebnis macht.


Originaltitel: Himiko
Regie: Masahiro Shinoda
Drehbuch: Masahiro Shinoda, Taeko Tomioka
Produktionsland: Japan
Produktionsjahr: 1974

Copyright der Bilder: King Records

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