Kill List

Kill List - FilmplakatNoch bevor er sich mit A Field in England (2013) nachhaltig verstörend in die Netzhaut seiner Zuschauer brannte und nächstes Jahr seinen dystopisch-apokalyptischen Thriller High-Rise (2015) auf die Kinos loslässt, machte der britische Regisseur Ben Wheatley bereits mit seinem Hang zum Unbekannten, zum Unbehaglichen und zum Spiel mit den Erwartungen auf sich aufmerksam. Kill List heißt sein zweiter Spielfilm und schlägt die eine oder andere überraschende Richtung ein, die eine endgültige Genreeinordnung ganz bewusst erschwert.

Fast ein Jahr ist es inzwischen her, dass für Familienvater, Ex-Soldat und Auftragskiller Jay (Neil Maskell) der letzte Job gehörig schief gelaufen ist. Sein Kumpel Gal (Michael Smiley) erzählt ihm bei einem gemeinsamen Abendessen von einer neuen Möglichkeit, die mittlerweile angespannten finanziellen Verhältnisse der Familie wieder aufzubessern. Dafür müssten die beiden lediglich drei Ziele für einen ominösen Auftraggeber liquidieren. Spätestens als sie bei einem der Opfer eine Sammlung Snuff-Filme entdecken, wird deutlich, dass sie keine gewöhnliche Todesliste abarbeiten, sondern immer tiefer einem finsteren Abgrund entgegen taumeln.

Was anfangs irgendwo zwischen Familiendrama und Auftragskillerthriller angesiedelt ist, streift mit seinem unerwarteten Handlungsverlauf nach und nach weitere Genres, bis man sich gar nicht mehr so sicher sein kann, ob man nicht doch eher einen psychologischen Horrorfilm schaut, der in surreale Gefilde driftet. Horror ist generell ein Stichwort, das häufig fällt, wenn man auf Kill List stößt und man sollte sich definitiv auf ein eigenartige, unangenehme und später immer dunkler werdende Grundstimmung einstellen. Dafür sorgt nicht auch zuletzt das tolle Sounddesign, das schon früh im Film mit subtilen Klängen zur allgemeinen Verstörung beiträgt, wenn es die anfangs noch unscheinbaren Bilder immer wieder akustisch kontrastiert. Später ist der Film dann auch visuell voll und ganz seiner unbehaglichen, beängstigenden Entwicklung ergeben.

Nicht nur Jay und Gal verlieren irgendwann ein wenig die Orientierung in der Filmhandlung, die intriganter, mysteriöser und komplexer zu sein scheint, als gedacht, sondern auch als Zuschauer muss man auf jeden Fall die Bereitschaft mitbringen, sich von Wheatleys Film geradezu rücksichtslos mit merkwürdigen Orten und Personen konfrontieren zu lassen und mit Gewalt in ein erschreckendes Geheimnis gedrückt zu werden, an dessen Offenbarung zunächst niemand auch nur zu denken wagte.


Originaltitel: Kill List
Regie: Ben Wheatley
Drehbuch: Ben Wheatley, Amy Jump
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2011

Copyright der Bilder: Senator

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4 Gedanken zu “Kill List

  1. Jetzt machst du es mir echt schwer. „Kill List“ steht schon seit einer Ewigkeit auf der Liste und auf „High Rise“ freue ich mich schon sehr. Und dann zeigst du mir den Trailer zu „A Field in England“ und ich stehe tatsächlich grübelnd da, ob ich mich auf den Regisseur einlassen soll. Na toll. Zumindest an die ersten beiden werde ich mich rantrauen, denn es scheinen ja doch sehr vielschichtige Gebilde zu sein.

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    1. Nun, „A Field in England“ ist allerdings auch radikaler und psychedelischer als „Kill List“. Probier den hier also ruhig trotzdem mal. Oder fang mit seinem schwarzhumorigen „Sightseers“ an, der zwar auch durchaus skurril ist, aber eben etwas leichtere Kost, auch von der Atmosphäre her.
      Von „High-Rise“ erhoffe ich mir ja, dass Wheatley wieder sein Ding durchzieht. Dann wird das der Masse vielleicht nicht gefallen und einigen mit falschen Erwartungen vor den Kopf stoßen, aber dann bleibt er für mich zusammen mit Peter Strickland auch weiterhin einer der interessantesten britischen Regisseure zur Zeit.

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      1. Sowieso. Hatte nur nicht erwartet, dass „Kill List“ in solche Gefilde abdriftet. Radikal ja, aber.. naja, ich bin gespannt. Wenn es gut gemacht ist und zum Szenario passt, dann sollte das keine zu große Hürde sein. Nach „Sightseers“ halte ich auch mal Ausschau, danke.
        Laut den ersten Kritiken soll „High Rise“ der anarchistische Wahnsinn sein. Wortwörtlich gesprochen.

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